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The
Day After Tomorrow.
Mehr
als ein Jahr ist es nun her, dass ich in dieses Webdiary geschrieben habe.
Viel zu unregelmäßig und ich vermute selbst meine treuesten
Besucher haben es inzwischen aufgegeben, hier öter mal vorbei zu
schauen. Aber es ist einmal wieder soweit. Nach zwei Jahren in Freiberg
in Sachsen werde ich meine Zelte abbrechen und mit bisher noch unbekanntem
Ziel mein Hauptstudium irgendwo in Deutschland fortsetzen.
Und
während man es am Anfang gar nicht abwarten kann von hier wegzukommen,
macht es doch am Ende irgendwie traurig. Wie es nun einmal so ist im Leben.
Zum
Schluß hier noch einmal meine Best of Freiberg Photocollection
Weiter
ist es auch im Irak gegangen und nur weil ich nicht mehr darüber
geschrieben habe, bedeutet es nicht, dass ich mich nicht damit beschäftigt
habe. Was denke ich denn nun, mehr als ein Jahr danach?
Finde
ich es immer noch gut, dass die Amerikaner einen Angriffskrieg gegen ein
Land geführt haben, dass nun im Chaos versinkt? Ein Land, dass offensichtlich
gar keine Massenvernichtungswaffen besaß? Und ein Land, dessen Diktator
bei seiner Gefangennahme eher Mitleid erregte, als Hass?
Sicher
bleibt für mich, dass das Regime Saddam's ein Unrechtsregime war.
Dass dieser arme kleine Mann, den nun alle bei seinen Bildern im Fernsehen
bemitleiden, ein Terrorregime führte, in dem hunderttausende Menschen
zu Tode kamen, gefoltert wurden und Kinder in Kriege geschickt wurden.
Und ich bleibe dabei: Es ist gut, dass dieser Mensch nicht mehr da ist.
Und ich glaube auch nach wie vor nicht, dass die Amerikaner diesen Krieg
für Öl geführt haben.
Wer
sich den Volksdemagogen Michael Moore mit seinem neuen Film "Fahrenheit
9/11" antun möchte, kann dies gern tun. Neue Erkenntnisse wird
der Film -außer der Feststelltung, dass sein einziges Stilmittel
Polemik ist- nicht bringen. Wer wirklich neue Sichtweisen aufdecken möchte,
dem kann ich besser raten, sich den Film "Gunner's Palace" von
Michael Tucker anzusehen. Ein Film, der in Deutschland keinen Verleiher
gefunden hat. Nicht weil der Film schlecht ist, sondern weil man verstehen
müsse "daß es im heutigen Umfeld der Diskussion um Folter
und Zukunft des Irak ein solcher Film schwer haben wird, einen Sender
zu finden". Tucker zeigt das tägliche Leben und letztendlich
auch die Sinnlosigkeit der Mission der amerikanischen Soldaten im Irak
anhand einer Einheit, die er selbst begleitete.
Der
Film läßt offen, ob der Krieg schlecht oder gut war. Ob Saddam
Massenvernichtungswaffen hatte oder nicht. Er zeigt aber letztendlich
eines, was in Deutschland oft vergessen wird: Soldaten, auch wenn es amerikanische
sind, sind letztendlich auch nur Menschen. Menschen, die an etwas glauben
oder auch manchmal an nichts mehr glauben. Das macht diesen Film so interessant.
Man
sollte sich trotz aller Proteste und nachträglichem Schulterklopfen,
dass wir -die Deutschen- die Guten waren, weil wir ja gegen diesen Krieg
waren, nicht vergessen, dass der Irak kein Thema für schwarz/weiss
Malerei ist. Nur nicht mehr existente Unrechtsregime sind gute Regime.
Das zählt für den Irak, aber auch für Kuba, für den
Iran und für Nordkorea. Fraglich ist nur, ob irgendein Land auf dieser
Welt ein Recht darauf haben sollte, darüber urteilen zu können
und diese Regime abzusetzen. Und damit verbunden die Frage, ob wir einen
Weltpolizisten benötigen oder nicht?
Die
UNO wird nie Weltpolizist werden, es wird immer bei nett gemeinten ermahndenen
Worten, Resolutionen und einem Fingerzeig bleiben. Aber es bleibt offen,
ob das die Welt besser macht. Wollten wir nicht einen Weltpolizisten,
als Nazideutschland seinen Angriffskrieg führte, wollten wir nicht
einen Weltpolizisten, als das Chaos in Jugoslawien ausbrach? Und wollten
wir nicht zuletzt einen Weltpolizisten, als der Sowjetblock auf dem Höhepunkt
der Macht war? Wer glaubt denn ernsthaft, dass die Welt friedlich geblieben
wäre, wenn die USA nur eine Mittelmacht gewesen wären?
Ich
habe das Gefühl, dass viele Menschen die Souveränität der
USA mit der Rolle eines Dienstleisters verwechseln. Einem Dienstleister,
den man sagen kann, wo man ihn braucht und wo nicht. Ein Dienstleister,
der gern seine Soldaten nach Jugoslawien schicken darf, aber bitte nicht
in den Irak. Ein Dienstleister, der Taiwan gern schützen darf, aber
bitte die Finger von Nordkorea lässt.
Aber
so läuft das nicht. Und das sollte nicht erst nach dem Irak Krieg
klar sein. Und mein Fazit? Es gibt keins. Manche Themen sind zu komplex,
um sie auf einige DIN A4 Seiten runterzubrechen.
Das
Fazit bleibt, dass man sich kein abschließendes Urteil erlauben
sollte, bevor man nicht weiß wie sich der Irak in den nächsten
Jahren entwickeln wird. Schwach ist es, da ich genau das vor einem Jahr
schon einmal geschrieben habe. Aber so ist es nun einmal.
Ach
doch, ein Abschlußsatz fällt mir dann doch noch ein. Wer denkt,
dass Clinton und Kerry diesen Krieg nicht geführt hätten, der
sollte sich lieber mit den Gebrüdern Grimm beschäftigen.
Finn
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