Die Geburt eines Helden
Hm, eigentlich weiss ich gar nicht, warum ich diese Zeilen überhaupt schreibe. Wahrscheinlich ist mir abends einfach zu langweilig am Feuer.
Ich bin vor 27 Jahren in einem kleinen Dorf nahe der Stadt Phexcaer direkt an der Grenze zum Orkland als jüngster Spross einer nun zehnköpfigen Familie geboren worden. In meiner Kindheit träumte ich immer davon, meinem Vater nachzueifern und ein Falkner zu werden, jedoch sollte mir dieses Schicksal nicht zuteil werden. Als ich 16 war wurde mir klar, dass das Anwesen meines alten Herren wohl zu klein ist, um unter uns acht Kindern aufgeteilt zu werden und es somit mein ältester Bruder Tuhrgal erben würde - auch wenn dieser ein saufender Tunichtgut ist und das Erbe unserer Ahnen wohl innerhalb eines Jahres versoffen und verspielt haben wird. Also war es nun an der Zeit für mich, sich Gedanken über die Zukunft zu machen und von was ich leben wollte. Da auch mir die meiste Arbeit einfach zuviel ist, entschied ich mich früh von Zuhause fortzugehen und mein Glück in der Welt zu suchen. Wer weiss, vielleicht kann ich ja eine Prinzessin aus den Klauen eines gefrässigen Drachen befreien und ein Königreich als Belohnung bekommen?
Meine Eltern waren sehr traurig über meine Entscheidung, versuchten mich aber nicht davon abzuhalten, zu tun, was ich tun muss. Mein Vater, von dem ich in der Kindheit viel über das Abrichten von Tieren, insbesondere über das Abrichten von Falken gelernt habe, gab mit noch einen jungen Falken mit auf den Weg, dem zwar noch das ein oder andere beigebracht werden musste, der aber schon recht weit in seiner Erziehung war. So zog ich los und begab mich gen Thorwal, um in der Stadt mein Glück zu finden. Aber so sehr ich auch suchte, das einzige was ich in der Stadt fand, war der nahe Tod als mich eine Bande besoffener Seeleute ausraubte. Meiner ganzen Habe beraubt, verliess ich diesen schrecklichen Ort. So stand ich nun da, hatte gerade mal noch meine Kleider am Leib, meinen Falken und einen Wurfspeer. Da ich schliesslich von etwas leben musste, fing ich an Tiere zu jagen, um meinen Hunger zu stillen und merkte nach einiger Zeit, dass die Leute aus den grösseren Städten viel Geld für manche Felle zahlten. So wusste ich erst einmal, mit was ich mein Geld verdienen konnte. Ich jagte Tiere, ass das Fleisch und verkaufte die Felle. Ab und zu dressierte ich im Auftrag eines besser gestellten Herrn Hunde oder Falken für die Jagd und verdiente so etwas mehr. Schliesslich hatte ich ein nettes Sümmchen angesammelt, hatte alles was man zur Jagd brauchte und kam mit wenig aus. Ich beschloss also mehr Geld zu machen und lernte von einem befreudeten Kürschner den Beruf eines Gerbers/Kürschners. Jetzt konnte ich die Felle zu höheren Preisen verkaufen, auch wenn sie später noch nachbehandelt werden mussten. So brachte ich sie doch gut vorbereitet aus der Wildnis mit. Ich war mittlerweile ein reicher und angesehener Jäger in den Vororten von Thorwal. Ich konnte mir sogar dauerhaft in einer Taverne ein Zimmer reservieren, indem ich den Wirt mit dem besten Fell und genügend Fleisch von jeder Jagd bezahlte. Vielleicht ist dies der Grund, warum die Räuberbande mir hinter Thorwal auflauerte, meinen Falken tötete und mich fast zu Tode prügelte. Jedenfalls war ich wieder mal all meiner Habe beraubt worden und hatte nur noch meine Kleidung am Leib. Wäre in diesem Moment, also besser gesagt am nächsten Morgen, nicht ein fahrender Händler aus Waskir vorbeigekommen und hätte mich aus meiner Misere befreit, wäre ich wohl heute nicht mehr am Leben. Glücklicherweise hatte der Händler einen recht jungen Hund dabei und so entschloss ich mich als Dank für meine Rettung diesem Hund das eine oder andere Nützliche beizubringen. Von nun an verteidigte er seinen Herrn wirklich vortrefflich. Als Dank hierfür schenkte mir dieser Händler einen Wurfspeer und sagte mir, wo ich einen neuen Falken zur Dressur herbekommen könnte. Also fing ich wieder an zu jagen und schaffte es sogar genügend Geld zusammenzubekommen um mir einen Falken zu kaufen. Als ich diesen endlich dressiert hatte, entschloss ich mich, aus dieser Gegend wegzugehen um das Land, in welchem ich geboren wurde, kennenzulernen. Als nächsten Haltepunkt setzte ich mir die Stadt Kendrar. Sie liegt südlich von Thorwal und zwischen den beiden Strecken gibt es viel Wald, also auch viele Felle. Also zog ich los, erntete eifrig Felle und verkaufte diese in Kendrar. Das Geld reichte immer gerade so, um verlorengegangene Ausrüstung zu ersetzen und alte, abgenutze Ausrüstung zu reparieren, aber das reichte mir. Viel Geld bedeutet anscheinend auch viele Feinde. So zog ich während der nächsten drei Jahre durch´s Land. Einmal passierte mir etwas seltsames in Greifenfurt. Dort erzählte man mir von einer Söldnertruppe welche angeheuert worden war, um im nördlich gelegenen Adlerhorst gegen die Ahnen der Bewohner anzutreten, welche sich aus ihren Gräbern erhoben - welch´ schreckliche Vorstellung. Aber dies schien diese hartgesottenen Mittelländer nicht weiter zu stören. Viel verwerflicher schienen sie es zu finden, dass sich der Söldnertrupp wohl nicht an eine Abmachung hielt, in der es hiess dass sie 16 Silberlinge für diese Arbeit bekommen sollten, der Anführer jedoch den Vertreter des Bürgermeisters aufs Schwerste bedrohte und so 32 Silberlinge herausschlug. Also ich würde nicht für 32 Silberlinge gegen Untote kämpfen. Nach einem kurzen Aufenthalt in dieser Stadt, beschloss ich, mich wieder weiter gen Norden zu bewegen in Richtung Trallop. Mir war von verschiedenen Leuten zu Ohren gekommen, dass dort ein guter Hundezüchter leben soll und ich hätte doch so gerne einen Hund. Nachdem ich jedoch in Trallop angekommen war, musste ich feststellen, dass dieser Hundezüchter zwar tatsächlich existierte, jedoch waren seine Preise grösser als sein Ruf. Ich konnte mir nichtmals einen älteren, noch nicht ausgebildeten Hund bei diesem netten Herrn leisten. Darüber doch sehr entäuscht schien ich eventuell etwas zu rüde geworden zu sein. Jedenfalls meinte ein mir wohlgesonnener Schankwirt, ich solle lieber aus der Stadt verschwinden. Zwar hatte ich dies ganz und gar nicht im Sinn, aber als ich aus der Taverne ging und mit einem mal zehn Bewaffnete auf mich zukamen, nahm ich doch lieber die Beine in die Hand und floh. Vielleicht hätte ich ihm nicht die Nase brechen sollen, als er mich einen stinkenden Sohn einer Hure nannte. Egal.

Helden und Piraten
Als nächstes machte ich mich weiter nach Osten auf, da ich beschlossen hatte, die andere Seite der Welt zu sehen und weil ich ausserdem wissen wollte, ob das Meer hier wirklich eine andere Farbe hat (nach dem Hörensagen soll es ja sehr bläulich schimmern bei Festum). Nach meiner Karte musste ich nur nordöstlich gehen um auf direktem Weg nach Festum zu kommen. Das war eine wirklich tolle Karte und gebrannt hat sie auch sehr gut. Als ich in Rodebrannt ankam, lachte man nicht schlecht, dass sich ein Jäger so verirren konnte. Also kaufte ich mir eine gute Karte für 5 Felle. Ich musste nach dieser Karte einfach nur nach Osten reisen, um in Festum anzukommen. Diese Karte brannte auch sehr gut. Irgendwann gelangte ich dann nach Festum, allerdings nicht ohne vorher eine recht seltsame Bekanntschaft gemacht zu haben. Ich ging den Walsach hinunter um mich nicht nochmals zu verirren und diesmal Festum (welches sich hoffentlich am Fusse des Walsach befindet) zu erreichen. Gegen Abend, als im Wald nahe des Ufers mein Lager aufschlug, fiel mir ein Schiff auf, welches am Heck blutgetränkt war und von dem man gerade eine recht kleine Person in den Fluss stiess. Mehrere Boote folgten dem Schiff, unverkennbar Piraten. Wenig später erreichten eine Elfe und ein Mittelländer das Ufer auf meiner Seite des Walsach und begannen unkoordiniert hin und her zu laufen. Kurze Zeit später wurde der Kleine an selbiges Ufer gespült und die beiden zogen ihn an Land. Erst jetzt sah ich, dass der Kleine einfach deswegen klein war, weil er halt ein Zwerg war. Und dann passierte das Unglaubliche: Die Elfe half dem Zwerg. Gut, bisher hatte ich noch nie eine Elfe und einen Zwerg zusammen gesehen, allerdings wusste ich vom Hörensagen von einer generellen Abneigung dieser beiden Arten. Hm, man sollte doch nicht alles glauben, was man hört.
Jedenfalls entschloss ich mich, den offensichtlichen Piratenopfern zu helfen und ging auf die drei zu. Der Mittelländer reagierte sehr nervös, der Zwerg reagierte gar nicht und die Elfe liess sich nichts anmerken. Nachdem ich meine Hilfe angeboten hatte, schafften wir den wirklich sehr schwer verletzten Zwerg in den nahen Wald und ich verwischte die Spuren, so dass die Piraten, welche anscheinend damit begonnen hatten die Ufer nach Überlebenden abzusuchen, uns nicht finden konnten. Irgendwie lag mir sehr daran, nicht schon wieder ausgeraubt zu werden, auch wenn ich diesmal kein Geld bei mir hatte. Da es schon recht spät war, baute ich ein Lager auf. Das Feuer entzündeten wir in einer kleinen Grube, damit die Piraten uns nicht bemerkten. Dank meines Falken hatten wir auch ein Kaninchen zum Abendessen und die Elfe tat genügend Preiselbeeren hinzu, damit der Braten auch richtig schmackhaft wurde. Allerdings ass sie am Abend nichts von dem Fleisch, sondern legte sich lieber auf einen Baum schlafen. Komisches Volk diese Elfen, aber recht hübsch. Am nächsten Morgen baten Iyona und Paragon mich darum, mich um Telogrim (so hiess der Zwerg) zu kümmern, damit sie den Rest ihrer Truppe suchen konnten. Jedoch schienen die Piraten recht hartnäckig zu sein und so musste ich schon wieder fliehen. Wir bauten mit zwei geraden Holzstangen und meinem Zelt eine Trage, um den Zwerg besser transportieren zu können. Anscheinend hatte ich die Spuren nämlich zu schlecht verwischt und die Piraten waren auf dem Weg zu uns. Also gingen wir zuerst vom Fluss weg und da die Piraten flussabwärts suchten, gingen wir später flussaufwärts. Nach kurzer Zeit trafen wir einen Söldner, welcher sich selbst Nasir Al Azif nannte, irgend so ein Turbanträger aus dem Süden halt. In Thorwal hat man schon viel über diese Säbelschwinger gehört, allerdings trug dieser einen Bogen und einen Anderthalbhänder. Das sah ziemlich albern aus. Aber jedem das Seine. Auf unserer Flucht machten wir im nächsten sicheren Waldstück kurz Rast um etwas zu essen. Von Nasir hatten wir erfahren, dass die Piraten etwa gleich schnell gingen wie wir und dass sie einen Fährtenleser dabei hatten. Also mussten wir nun unsere Spuren besser verwischen. Einerseits würden wir auf Dauer langsamer sein, da wir noch diesen Zwerg schleppen mussten, andererseits wurden die Piraten langsamer, wenn sie mehr Aufmerksamkeit auf unsere Spuren richten müssen. Als wir dann weitergingen, gelangten wir an ein kleines Bächlein, vielleicht zwei Ellen breit, jedoch breit genug um darin zu gehen und so hatten wir jetzt eine ideale Gelegenheit unsere Spuren zu verwischen. Während die anderen flussabwärts durch das Bächlein gingen, lief ich kurz das Bächlein flussaufwärts um eine falsche Fährte zu legen. Dann ging ich im Bächlein den anderen hinterher und holte sie auch recht schnell ein. Wir entschlossen uns wieder zu einer Rast und Iyona und ich gingen jagen. Als ich nicht weit vom Bächlein weg war, fand ich einen Hund in der Wildnis, eine Art Dalmatiner. Natürlich war mir sofort klar, dass ein solcher Hund hier niemals ohne einen Herrn überleben würde und machte mich auf die Suche nach diesem Herrn. Nachdem auf mein Rufen nichts passierte, schien der Hund mich in eine Richtung locken zu wollen und er führte mich tatsächlich auf einen kleinen, ausgetretenen Pfad im Wald. Sofort ging ich den Rest der Truppe rufen, da ich annahm, dieser Hund wolle zu seinem Herrn und ein ausgetretener Pfad sah schon nach einem kleinen Dorf aus. Alle waren sofort hellauf begeistert und folgten mir auf den Pfad. Seltsamerweise schien der Hund auf uns zu warten, denn er sass immer noch an der Stelle des Pfades, an dem ich umgekehrt bin, um die anderen zu rufen. Jetzt jedoch ging er wieder vorweg, hoffentlich war dies kein böses Omen. Jedoch kam es wie es kommen musste. Irgendwann bog der Hund links in den Wald hinein und ging auf eine Frau zu, die ich sofort als Hexe erkannte. Die Gruppe konnte erstmal von Glück sagen, dass ich dabei war. Paragon, der Mittelländer schien schon besessen von der Hexe, Nasir schien sich rauszuhalten und die Elfe war zuerst unschlüssig, dann jedoch auf meiner Seite. Hexen fressen Kinder, solchen Monstern darf man einfach nicht trauen, auch wenn sie einem anbieten, einen schwer verletzten Kameraden wieder zu heilen. Immerhin blieb die Gruppe zusammen (was mir an dieser Stelle auch sehr lieb war) und wir gingen den selben Weg wieder zurück. Es dämmerte schon, wir waren immer noch auf diesem Trampelpfad, als wir von vorne eine kleine, dunkle Gestalt auf uns zukommen sahen. Mir schwante schon nichts Gutes und tatsächlich, dieses kleine Hutzelmännchen gab sich als Forscher aus, er wolle die Hexen im Norden erforschen. Von wegen Forscher, ein Schwarzmagier war das mit Sicherheit. Zum Glück hatte ich das Fell des Kaninchens behalten und so schnitt ich mir schnell eine Pfote ab und hielt sie dem Teufel entgegen. Sein Einfluss schien allerdings stärker zu sein, als der der Hexe und nur die Pfote konnte mich anscheinend schützen. Alle anderen entschlossen sich zur Hexe zu gehen und ihr Angebot zur Heilung von Telogrim anzunehmen. Die sind doch wahnsinnig! Ich jedenfalls werde von der Pfote geschützt und trennte mich von der Gruppe. Ich machte mich wieder auf den Weg nach Festum.