Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1: Der Beginn eines Abenteuers
Kapitel 2: Der erste Auftrag
Kapitel 3: Die Reise
Kapitel 4: Die Entführung
Kapitel 5: Eine seltsame Krankheit und ein Fluchtversuch
Kapitel 6: Die Flusspiraten und der Tod
Kapitel 7: Wiederauferstehung
Kapitel 8: Die Befreiung Juselins
Kapitel 9: Semo lebt
Kapitel 10: Uriel
Kapitel 11: Sven Bartwinden
Kapitel 12: Die Ruine
Kapitel 13: Eine traurige Botschaft und ein neuer Auftrag
Kapitel 14: Des Mordes bezichtigt
Kapitel 1: Der Beginn eines Abenteuers
Die Ereignisse die ich zu berichten habe und für meine Nachwelt aufbewahren
möchte sind derart einzigartig und fantastisch, dass ich mich einige
Monate nach meiner Abreise ins Ungewisse dazu entschlossen habe, sie
auf Papier zu schreiben, auf dass der geneigte Leser sich daran
ergötzen möge. Da ich jedoch erst spät damit angefangen habe mir Notizen
über alles Erlebte zu machen, wie gesagt bin ich schon Monate unterwegs, möge
man mir verzeihen, dass den ersten Monaten meiner Reisebeschreibung Details
fehlen, welche eventuell wichtig gewesen wären, um das Geschehene treffender
wiederzugeben.
Mein Name ist Telogrim, Sohn des Berlang. Aufgewachsen bin ich in der Binge
Krandor im Gebirge, welches unter dem Namen Rote Sichel weitläufig
bekannt ist. Als Sohn eines Grobschmiedes war ich dafür vorgesehen, einst das
Geschäft des Vaters zu übernehmen um sowohl Werkzeug zum Edelsteingewinn als
auch Schwerter zur Verteidigung der Binge herzustellen. Eines Tages jedoch
bebte die Erde unter unseren Füssen als ob Ingerimm nicht mehr über uns wachte
und Boron diese Gelegenheit ergriff, unseren besten Arbeitern einen Platz in seinem
Reich zu gewähren.
Das Chaos war gewaltig - drei unserer bestabgesichersten Stollen brachen
über unseren tapferen Brüdern zusammen und begruben sie lebendig unter sich.
Natürlich wurde sofort damit begonnen den hilflosen Opfern jede mögliche Hilfe
zuteil werden zu lassen und wir
verbrachten ganze zwei Wochen damit, alle Brüder auszugraben, welche aber
nach 4 Tagen nur noch den fauligen Geruch des Todes von sich gaben. Die ersten
die wir jedoch fanden waren zwar verletzt, aber dank Ingerimm musste Boron
noch eine geraume Zeit warten, bis er ihnen einen Platz im Schattenreich
zukommen lassen konnte.
Dies könnte ich schon als den eigentlichen Beginn meiner
Reise ansehen da dies der Zeitpunkt war, an welchem ich Ogrim, Sohn des
Araxasch kennen lernte. Seines Zeichens Wundarzt half er den vom Schicksal so
übel mitgespielten Brüdern und rettete so ihr Leben. Fasziniert von der
Macht Ogrims, den Willen Borons zu brechen, entschloss ich mich dazu, dem
Wunsch meines Vaters nicht stattzugeben und mich gegen den Willen meiner
Familie dem Studium der Anatomie und des Heilens hinzugeben. Nur mein jüngerer
Bruder Ingramosch dankte es mir, da er nun derjenige sein würde, welcher das
Geschäft des Vaters übernehmen sollte und so in eine gute Zukunft blicken
konnte.
Ogrim, der Wundheiler welcher so vielen meiner Brüder geholfen hatte nahm mich
nur allzugerne als sein Schüler auf. Zwar war ich nicht der Intelligenteste
jedoch schien ich eine beruhigende Wirkung auf Verletzte zu haben und war auch
schnell recht geschickt darin, Wunden zu versorgen und Verbände anzulegen.
Jedoch musste ich noch sehr viel lernen. Gerade das Lesen und Schreiben
bereitete mir anfangs sehr viele Probleme und der Mangel an Büchern
in unserer Binge sollte schliesslich der Anlass für mich sein fortzugehen.
Als junger Angroscho schliesslich beschloss ich mich mit meinem guten Freund
und ehemaligem Spielgefährten Rabagasch, welcher sich dazu entschlossen hatte dem
Waffenhandwerk zuzusagen, einer Gruppe von garethischen Söldnern anzuschliessen
um einerseits den Lebensunterhalt zu bestreiten und andererseits Abenteuer
zu erleben. Natürlich spielte die Gelegenheit in den verschiedensten Städten
und Bingen neues Lesematerial zu erlangen keine geringe Rolle in meiner
Entscheidung. Einzig und allein die Tatsache, dass unser Hauptmann ein
Mann von recht abstossendem Äusseren war liess mich anfangs noch an meiner
Entscheidung zweifeln. Jedoch sollte ich bald merken, dass gerade dieser
Hauptmann namens Sadrak Wasoy sich mehr als fähig bewies unseren Trupp
anzuführen und zwischen uns entwickelte sich eine Art Freundschaft. Der
gegenseitige Respekt liess uns oft zusammensitzen und über die
verschiedensten Dinge diskutieren.
Die erste Reise führte uns nach Uhdenberg, welches nicht weit unserer Heimat
gelegen war. Dort hatte ich das erste mal Gelegenheit die Pflanzenwelt
Aventuriens etwas genauer zu studieren und somit zum Beispiel den
Egelschreck und den Olginwurz einwandfrei zu identifizieren. Ersteres Herbum
sollte mir im Laufe meiner Reise noch gute Dienste leisten Dank seiner
hervorragenden Eigenschaft als blutstillendes Mittel.
Da es in Uhdenberg nichts für tapfere Söldner zu tun gab, entschlossen wir uns,
weiter nach Süden zu ziehen und so gelangten wir nach Trallop. Hier bekamen
wir unseren ersten Auftrag, also mit wir meine ich meinen treuen Gefährten
Rabagasch, da der Rest der Gruppe anscheinend schon das eine oder andere
gefährliche Erlebnis bestritten hat. So banal der erste Auftrag für uns war -
wir sollten eine Gruppe von Dieben ausfindig machen, welche den Bürgermeister
beraubt hat; der Hochzeitsring, den sein Sohn gerade am nächsten Tag seiner ihm
Versprochenen an den Finger stecken sollte war der Gegenstand der Begierde
gewesen- so einprägend war dieser erste Auftrag für mich. Aber ich denke, es
wird jedem so gehen, der das erste mal den Geschmack des Kampfgetümmels spürt
und danach die Früchte des Sieges davonträgt.
Die Räuber waren sehr schnell gefunden, jedoch waren es Mittelländer des eher
dümmeren Schlages. Obwohl wir schwer bewaffnet und eindeutig in der Überzahl waren
griffen sie unseren Trupp sofort an. Nach einem eher kurzen
Kampfgetümmel, in welchem ich nur einen Schlag setzen konnte - der schwächliche
Garetier war gerade irgendwas am murmeln, fulme oder so sagte er bevor
meine Axt ihn tödlich an der Schläfe traf - kam meine eigentliche Aufgabe. Ich
war es, der die Verwundeten zu versorgen hatte. Leider war auch mein treuer
Gefährte Rabagasch unter den Verwundeten und mit grösstem Bedauern musste ich
feststelle, dass er sein linkes Auge in der Schlacht verloren hatte. Jedoch
konnte ich seinen Zustand bessern und nach einer Woche Ruhe in Trallop
hatte seine Wunde sich soweit gebessert, dass wir weiterziehen konnten. Jeder
unserer Recken war nun um vier Silberlinge reicher und alle guter Laune. Zwar
durften wir nicht den Feierlichkeiten zur Vermählung des Bürgermeistersohns
beiwohnen, jedoch spendierte dieser ob unserer schnellen Hilfe einen Aufenthalt
in einer Taverne mit genügend Bier und gebratenem Federvieh; unser Hauptmann
war sehr geschickt im Aushandeln solcher Zuvorkömmlichkeiten.
Alsdann machten wir uns eine Woche später auf den Weg weiter gen Süden in
Erwartung der Abenteuer, welche uns widerfahren sollten.
In diesem Teil des Berichtes möge der geneigte Leser mir verzeihen, jedoch
strichen acht Monate ins Land, welche nicht von Ereignisreichtum gesegnet waren.
Desweiteren habe ich, wie schon angedeutet, erst sehr viel später damit
begonnen, mir Aufzeichnung über die Geschehnisse zu machen, denen ich mich
stellen musste.
So kann ich leider nur vage berichten und habe mich daher entschlossen mich
auf die Ereignisse zu beschränken, welche mir gut im Gedächtnis blieben und
bei welchen ich auch nicht lügen musste, um sie wie geschehen wiederzugeben.
Von Trallop machten wir uns weiter gen Süden um in einigen Wochen unser Ziel,
die Handelsstadt Wehrheim, zu erreichen. Einen längeren Zwischenstop schoben
wir nur in Baliho ein, um einem Hirten zu helfen ein Rudel Wölfe ins Reich
Borons zu schicken, welche seine Schafsherde um die Hälfte dezimiert
hatte. Dankbarerweise spendierte uns dieser Hirte zwei seiner Schafe um damit
eines der köstlichsten Mahle zuzubereiten, welche ich je gegessen habe.
So ging die Reise weiter nach Wehrheim, welches wir auch wohlbehalten nach
etwa zwei Wochen erreichten. Die Reise verlief erstaunlich ereignislos, sieht
man mal von der wahnsinnigen Räuberbande ab, die uns wohl des späten Abends mit
einer Gruppe reisender Händler verwechselt zu haben schien und ihr
blaues Wunder erlebte.
Endlich in Wehrheim angekommen war die Moral der Truppe ob der geringen
Beschäftigung etwas angeschlagen weshalb der Auftrag eine Karawane gen Süden
nach Gareth zu begleiten uns sehr gelegen kam und wir diese auch sicher an
ihr Ziel geleiteten, jedoch nicht ohne einen schrecklichen Preis zu zahlen.
Auf etwa der Hälfte des Weges als wir gerade einen Ausläufer des Dergel
überquert hatten - dankbarer Weise hatte es an dieser Stelle eine Brücke, welche
zwar keinen vertrauenserweckenden Eindruck machte jedoch unser Gewicht ohne
zu murren trug - beschlossen wir, am kommenden Waldrand unser Lager
aufzuschlagen um die Nacht zu verbringen. Des Nachts sollte mein Waffenbruder
und alter Spielgefährte Rabagasch die zweite Wache halten, jedoch geschwächt
vom langen Marsch und Zusprechen mehrerer Biere sollte er es nicht schaffen
seine Aufgabe zu erfüllen. Wir wurden geweckt von einem kurzen Aufschrei welchem
das widerliche Geräusch eines Hammers auf einem Zwergenschädel folgte.
Nur zu froh selbst bei der Nachtruhe niemals mein Kettenhemd auszuziehen,
stürmte ich mit meiner Axt in die kalte Nachtluft (wir mussten im Monat der
Firun sein) um meinem Bruder zu helfen, jedoch kam jede Hilfe zu spät. Zwar
konnten wir die Diebesbande in die Flucht schlagen und mir war es vergönnt
gewesen dem Mörder meines Bruders den Kopf zu spalten, jedoch half dies nur
wenig über die Trauer hinweg, die ich nach innen empfand. Schliesslich
erreichten wir Gareth, die Hauptstadt des Mittelreiches. Noch nie war ich in
solch einer grossen Stadt gewesen, jedoch muss ich sagen dass, obwohl diese
Form des Wohnens ihre Vorteile haben mag, wird sie niemals an die Atmosphäre
einer guten Binge herankommen.
Unser Trupp beschloss sich eine Woche in der Stadt aufzuhalten um sich zu
erholen. Diese Zeit nutzte ich um mich weiterzubilden. Die Bibliothek in Gareth
war schon sehr beachtlich, jedoch denke ich, dass sie nicht im
Entferntesten an die grösste Zwergenbibliothek herankommen kann. Dennoch
lernte ich hier viel über Kräuter, Anatomie anderer Völker und sogar etwas
über Magie. Letzteres liess mich mit einem Mal richtig erschaudern als ich
das Kapitel über gebräuchliche Kampfzauber las und die Wirkung eines gewissen
Fulminictus welcher mich an mein erstes bestrittenes Abenteuer
erinnerte.
Die nächsten zwei Monate scheinen eher ereignislos vergangen zu sein, da ich
keine Erinnerung daran habe, was besonderes passiert ist. Wir reisten durchs
Land und begleiteten hauptsächlich Karawanen. Nach eben genannter Zeitspanne
jedoch sollte es wieder einen interessanteren Auftrag geben. Eine Ortschaft
mit dem Namen Adlerhorst in den Finsterkämmen - nahe der Stadt Greifenfurt -
bat uns um Hilfe. Nach den Erzählungen des Vertreters des Bürgermeisters,
welcher nach dessen Angaben in Borons Reich eingetreten ist, erzählte man uns vom
dorfeigenen Boronsacker und davon, dass manche der Ahnen des Nachts
wiederzukommen scheinen um sich vom Fleisch und Blut der Lebenden zu nähren.
Das Dorf war zwar nicht reich, jedoch versprach man uns einen Silberling pro
lebender Seele, die wir retten. Also nahmen wir den Auftrag an und machten uns
auf nach Adlerhorst. Ich weiss nicht genau, was wir zuerst taten, in
Erinnerung sind mir lediglich das Grauen und die anfängliche Furcht vor diesen
untoten Wesen geblieben. Aber als ich erstmal merkte, dass ein kräftiger
Axthieb diese wurmzerfressenen Kadaver ohne weiteres in zwei Hälften teilen
konnte hieb ich mich durch das verfluchte, faulende Fleisch. Es war eine
wahrhaft heroische Schlacht in welcher jeder unserer Recken alles geben musste
und auch wir herbe Verluste hatten. Jedoch behielten wir im
Nachhinein die Oberhand und schickten jeden verfaulten Leichnam zurück zu Boron.
Der eigentlich Ärger kam dann aber später. In Adlerhorst waren nur noch vierzehn
Seelen am Leben. Das heisst, wir hatten mit achtzehn Mann gegen die wohl härtesten
Gegner gekämpft, gegen die wir jemals kämpfen mussten, verloren vier unserer besten
Recken und sollten dann mit einem einzigen Silberling pro Nase abgefunden werden.
Unser Anführer beschloss sich mal richtig mit dem
Vertreter des Bürgermeisters zu unterhalten und schlug tatsächlich zwei Silberlinge
pro Nase heraus. Jedoch schien der Vertreter sehr froh über unsere Abreise zu
sein.
Nach dieser eher miserablen Ausbeute beschloss unser Hauptmann Sadrak von nun
an seines eigenen Weges zu gehen, da er in seiner Heimat gebraucht wurde. So
zog er, nicht ohne ein Gefühl des Bedauerns bei uns allen, gen Westen, um,
wie er sagte, seinem Volk zu helfen. So wurde Sven Kristoffsen, ein wahrhaft
grosser Recke zu seinem Nachfolger. Ich muss sagen, dies war eine gute Wahl, da
er derjenige von uns war, der am meisten Erfahrung nachweisen konnte und
die meiste Zeit schon die rechte Hand Sadraks gewesen war.
Kurz bevor wir von Adlerhorst aufbrechen wollten, sollte unsere Gruppe dankbarerweise
Zuwachs bekommen. Ein Mittelländer namens Paragon schloss sich unserer Truppe an,
um Erfahrung im Kampf zu sammeln und natürlich um seinen Unterhalt zu bestreiten.
Die nächsten Monate zogen wieder recht unspektakulär in die Lande.
Lediglich kleinere Räuberbanden machten uns zu schaffen und einige wilde Tiere.
Jedoch behielt jeder sein Leben und es wurde auch niemand ernsthaft verletzt.
Dazu muss vielleicht noch gesagt werden, dass ich mittlerweile auch Krankheiten
und Gifte recht gut behandeln konnte und so schlimmeres verhindern konnte.
Im siebten Monat jedoch erhielten wir von einem reichen Händler den Auftrag,
eine Karawane von Punin aus nach Festum zu geleiten. Ob der Länge dieser
Strecke und der gewaltigen Dauer welche dieses Unternehmen mit sich bringen
würde schlug unser Anführer 40 Silberlinge pro Nase heraus. Eine nicht zu
verachtende Summe, die aber meiner Meinung nach auch angemessen war, da Festum
eine Küstenstadt ist und welches normale lebende Wesen würde sich schon
freiwillig in eine solche Nähe zum Meer begeben.
Die Reise selbst verlief soweit ohne Zwischenfälle bis wir zum Dorf Vallusa
kamen. Da es erst Mittag war beschlossen wir noch weitere sechs Stunden gen
Festum zu reiten um schnellstmöglich den Ort unserer Bestimmung zu erreichen.
Anscheinend sollte dort eine Festivität stattfinden von welcher sich unsere
fahrenden Händler hohen Profit erhofften. Jedoch sollte die darauffolgende
Nacht für mich fast in einem Disaster enden.
Kapitel 2: Der erste Auftrag
Des Nachts sollte ich die dritte Wache halten, wurde jedoch nicht von meinem
Vorgänger geweckt, der dies mit seinem Leben bezahlen sollte. Anscheinend
ist die Vorsicht der unbeschwerten Reise zum Opfer gefallen, welche wir in
den letzten Wochen durchlebt haben. Es geschah - zu meiner Schande - zur
dritten Wache, zu welcher ich ja nicht antreten konnte. Eine wirklich
übermächtige Räuberbande griff uns an und dazu noch mit einem hohen
Grad an Geschicklichkeit. Sie verursachten kein hörbares Geräusch, welches
meine Gefährten und mich hätte warnen können. So kam es, dass wir wieder einmal
vom Geräusch eines zerberstenden Schädels geweckt wurde. Wieder einmal stürmte
die komplette Truppe auf einmal aus den Zelten um nach dem Rechten zu sehen
und die Angreifer in die Flucht zu schlagen, doch diese, sich leise bewegend,
hatten sich schon vortrefflich in Stellung gebracht und unser Verhalten
vorausgesehen, so dass wir erst einmal einige Schläge einstecken mussten.
Irgendwie gelang es uns jedoch, dieser Übermacht zu trotzen und das diebische
Pack in die Flucht zu schlagen. Zu meiner Schande muss ich diesmal gestehen,
dass ich mein Leben nicht meiner eigenen Axt verdanke, sondern vielmehr meinen
zwei Gefährten Semo und Paragon, welche mir hilfreich beiseite standen als
mich gleich drei dieser finsteren Gestalten attackierten. Am nächsten Morgen
erst zeigte sich das ganze Ausmass der Katastrophe. Zwar hatten wir unseren
Auftrag, das Beschützen von Leib und Leben der Händler und deren Habe
erfolgreich ausgeführt, jedoch wurde unsere Gruppe wieder einmal um acht Recken
kleiner, welchen leider auch unser Anführer angehörte. Dennoch gingen wir
weiter und erreichten nach einigen Tagen auch Festum. Natürlich kamen wir
nicht mehr so schnell voran wie vorher, ich habe zwar alle Verwundeten so gut
versorgt wie ich es vermochte, allerdings waren einige der Verletzungen
schlimmer als es auf den ersten Blick aussah. Glücklicherweise scheint sich
unsere heroische Tat gegenüber dem Diebespack schnell herumgesprochen haben
und es schien sogar fast so, als ob wir eine lokale Legende im Diebeswesen
besiegt hätten.
An diesem Punkt muss ich noch erwähnen, dass die Aufzeichnungen nun sehr
detailliert geführt werden, da gerade der schon vorher erwähnte achte
Monat angebrochen ist und ich nach diesem einschneidenden Erlebnis damit
angefangen habe, mir Notizen über das Erlebte zu machen.
Als wir in Festum angekommen sind und von den Händlern wie besprochen
bezahlt worden sind, beschlossen meine zwei neugewonnenen Freunde und ich
einen Teil des so schwer Verdienten in der Taverne zu lassen und über die
zurückliegenden Geschehnisse zu prahlen. Jedoch mussten wir feststellen,
dass niemand uns Glauben schenken wollte, dass gerade "zwei stinkende
Zwerge und ein Garetier" Torgal Soerenson besiegt haben sollen. Um nicht
weiter in Kneipenschlägereien verwickelt zu werden, folgten wir dem
gutgemeinten Rat des Wirtes und seiner Komparsen und liessen es für heute
gut sein. Mit einem leichten Gefühl des Ärgers, dass niemand uns Glauben
schenken wollte, verliessen wir also die Taverne und gingen in Richtung
der nächsten Taverne. Dort angekommen konnten wir ein Gespräch zwischen
einem Bauer und einem Edelmann belauschen. Hierzu muss noch gesagt werden,
dass wir nicht auf Ärger aus waren und unsere Geschichte lieber nicht
erzählen und einfach ein Bier trinken wollten. Aber irgendwie fehlte uns
hierbei das Gesprächsthema, weshalb wir wohl dem Gespräch neben uns
lauschten. Es ging um einen Graf Uriel oder Ariel, ich hatte es nicht genau
verstanden. Später jedoch erfuhr ich, dass er tatsächlich Uriel hiess.
Beide Personen schienen aus der Grafschaft dieses Lords zu kommen. Der
Bauer beklagte sich über den Grafen und der Edelmann hielt natürlich
zu dem Grafen und unterstützte seine Methoden, das Volk auszunutzen und
zu unterdrücken. Bei uns Angroschim würde ein solch albernes Gespräch
niemals stattfinden, mit was für seltsamen Problemen sich die Mittelländer
herumschlagen wundert mich doch immer wieder. Jedenfalls nannte der Bauer
den Grafen eine Warzensau woraufhin der Edelmann die Taverne verliess und
nachdem wir unser Bier ausgetrunken hatten taten wir es ihm gleich und
beschlossen zu unserem Lager zurückzukehren um noch etwas Nachtruhe
geniessen zu können. Auf dem Weg dahin hörten wir auf einmal ein Wimmern und
Tritte, welche sich in einen Körper herabsenkten. Und tatsächlich erspähten
wir um die nächste Ecke einen Pulk von Mittelländern, welcher sich um eine
auf dem Boden liegende Gestalt aufgebaut hatte und mutig in ihrer Art den
Wehrlosen mit heftigen Tritten malträtierten. Natürlich schritten wir bei
solch einem niederträchtigen Verhalten sofort ein und mussten uns noch von
diesem Pöbel beschimpfen lassen, bevor sich diese sechs finsteren
Gestalten doch dazu entschlossen, dass drei Schwerbewaffnete ihnen
gefährlich werden konnten und zogen sich feige zurück, allerdings nicht
ohne noch irgendwelche Beschimpfungen loszulassen. Sofort kümmerte ich
mich um den Wurm, der sich vor mir in einer stinkenden Pfütze vor Schmerzen
wandt. Es sah zuerst schlimmer aus, als es war. Anscheinend hatten diese
Gestalten ihn abgefüllt um ihn später seines Habes berauben zu können, ohne
Widerstand zu erhalten. Zum Dank für seine Naivität haben sie ihm dann
wohl auch noch mit Stiefeln getreten; aber immerhin behielt der
bleichgesichtige Jüngling, dessen Namen wir später noch erfahren sollten,
sein Leben.
Nun wird der geneigte Leser wahrscheinlich Schwierigkeiten haben mir zu
glauben, da ich es in dem Moment, als es mir widerfahren ist selbst nicht
glauben konnte. Als ich bei dem Jüngling kniete, um seine Verwundungen
zu säubern und sein Leiden zu mindern, sprach mich von hinten eine Person an
mir zu helfen. Eigentlich hätte ich nichts gegen etwas Hilfe gehabt da meine
Hände vom Alkoholgenuss schon etwas am Zittern waren, als ich mich jedoch
umdrehte um das Angebot dankend anzunehmen sah ich direkt in die windschiefen
Augen eines verfluchten Spitzohres. Welche unglaubliche Frechheit von solch
einem Wiederkäuer Hilfe angeboten zu bekommen, als ob ein Angroscho Hilfe
von einem Spitzohr nötig hätte. Ohne wirklich ein Wort zu sagen drehte ich
mich um und versorge den Jüngling weiter so gut ich konnte mit meinen
zitternden Fingern und es gelang mir sogar erstaunlich gut, jedenfalls
besser als mit der Hilfe eines verfluchten Spitzohres. Wie dieses Volk
überhaupt die Intelligenz entwickeln konnte, ein zugegebenermassen eher
minderwertiges Wissen in der Medizin zu erlangen ist mir schleierhaft. Wie
soll man denn Intelligenz entwickeln wenn man sich nur an Grashalme
heranpirschen muss? Aber irgendwie scheint es ja doch möglich zu sein, wenn
auch nur in begrenztem Masse.
Nachdem ich den Jüngling versorgt hatte beschlossen meine Gefährten und ich
diesen nach Hause zu bringen und irgendwie schafften wir es auch aus seiner
lallenden Stimme soviel Information zu erlangen, um ihn bis zu seinem Haus
zu geleiten. Er faselte noch irgendwas von nicht nach Hause und
Mutter wird mich umbringen. Man stelle sich vor, dass dieser
Jüngling noch bei seiner Mutter wohnt, obwohl er doch so aussieht, als
ob er schon des längeren ausgewachsen wäre. An seinem Elternhaus angekommen
klopften wir an der Pforte und verlangten Einlass, welchen Paragon auch
mit seinem Fuss erzwang, indem er mit diesem die Tür aufhielt, welche
vor uns zugeworfen werden sollte. Bornländer sind ein undankbares Pack.
Nach einem kurzen Disput konnten wir die werte Dame, welche recht gut
gegen unseren Garetier hielt, davon überzeugen uns Einlass zu gewähren und
sie geleitete uns direkt in die Küche. Nach einer kurzen Pause endlich kam
die Mutter des Jünglings und dankte uns im Namen von Stane - hier erfuhren
wir den Namen des bleichgesichtigen Jünglings den wir eretteten - und wollte
uns schon wieder vor die Tür setzen, bis wir der werten Dame endlich erklärt
hatten, dass wir Söldner seien und nicht umsonst arbeiten und einen Sold
haben wollten für das Geleistete. Sie willigte ein und bezahlte sogar den
Gasthof gegenüber uns für eine Nacht aufzunehmen. Die Gelegenheit in einem
echten Bett zu schlafen nahmen wir natürlich dankend an.
Am nächsten Morgen labten wir uns an dem Frühstück, welches auch auf die
Rechnung von Stanes Mutter ging. Erst zu diesem Zeitpunkt fiel mir auf,
dass diese Dame sich den Rettern ihres einzigen Sohnes nicht einmal
vorgestellt hatte. Aber immerhin trafen wir sie nach dem Frühstück auf der
Strasse vor ihrem Haus, denn sie hatte uns abgepasst, um uns einen Auftrag
zu unterbreiten, welchen wir auch annahmen. Wir sollten Stane und etwas
Dienerschaft gen Norden nach Notmark geleiten, auf dass er dort eine
Prinzessin heirate. Die Bezahlung hörte sich auch gut an - vierzig
Silberlinge für jeden von uns - zumal diese Reise in etwa drei Wochen
erledigt sein sollte. Alsdann setzte man die Abreise auf den
nächsten Morgen fest und wir hatten noch Gelegenheit etwas Ausrüstung zu
kaufen. Ich entschied mich für einen neuen Wetzstein, etwas Öl und ein
Tuch um meine Waffe zu versorgen. Verbandsmaterial hatte ich noch genug
und ärztliches Besteck konnte ich mir noch nicht leisten. So gerüstet,
machten wir uns am nächsten Tag auf die Reise, wobei ich dankbarerweise
noch eine leichte Armbrust zugesprochen bekam um nicht in erster Linie
kämpfen zu müssen, sollte dies von Nöten sein. Damit konnte ich im Fall
des Sieges immer die Verwundeten behandeln und im Falle einer Niederlage
wäre es egal gewesen, ob ich in vorderster oder in zweiter Front
gefallen wäre. Wie jedoch dem geneigten Leser aufgefallen sein wird
könnte ich diese Zeilen nicht schreiben, wäre ich gefallen.
Kapitel 3: Die Reise
Am nächsten Morgen trafen wir uns im Hafen von Festum und nie werde ich
den abartigen Gestank vergessen, den das Meer verbreitet. Hier bekamen
wir unsere Ausrüstung und erfuhren nun auch, welche Begleitung für
Stanes Reise auserkoren wurde.
Zum einen wären da die beiden Diener Ohms und Jarle zu nennen, welche
eigentlich keinen Nutzen für unsere Reise haben sollten. Zum anderen
die Frau, welche doch so arg gegen Paragon die Tür verteidigt hatte.
Nun erfuhren wir ihren Namen, sie nannte sich Jedwina und ich muss
sagen, dass sie für eine Frau eine beachtliche Kraft hat und sich
auch zu verteidigen weiss.
Alsdann zogen wir los gen Neersand, von wo ein Flussschiffer uns
weiter gen Norden den Walsach hinauf fahren soll. Am ersten Tag
dieser Reise geschah nichts Ungewöhnliches, sieht man mal von dem
Spitzohr - demselben Spitzohr welches die Frechheit besass, mir ihre
Hilfe anzubieten - und von einem Händler, einer meiner Ansicht
nach eher zwielichtigen Gestalt, ab, welche uns zu verfolgen
schienen mit der Begründung, in der Nähe einer Truppe, welche durch
Söldner geschützt ist, reise es sich sicherer. Am Abend des ersten
Tages erreichten wir dann eine Herberge, etwa halbe Strecke zwischen
Festum und Neersand und kehrten dort ein, um uns zur Nachtruhe
zu betten. Wie ich es schon vorher vorausgeahnt hatte, machte der
Händler Probleme, da alle Zimmer besetzt waren (die letzten gingen
an unsere Reisegruppe) und er sich zu fein dafür war, im Stall zu
schlafen. Nach einigem Ärger wollte dieser sture Hund immer noch
nicht von seiner Position weichen und sagte, er würde den Gasthof
verlassen und weiterziehen, sollte er hier kein ordentliches
Zimmer bekommen. Angesichts dieser Tatsache freute ich mich schon
diesen Störenfried los zu sein als Stane den Vorschlag machte, er könne
bei den Dienern schlafen damit der Störenfried sein Zimmer haben
kann. Am liebsten hätte ich sofort eingegriffen, aber Stane
ist mehr oder weniger mein Chef, jedenfalls ist er die Person, um
welche sich unser Auftrag dreht. Ich beschloss mich nicht weiter
einzumischen um mich nicht unbeliebt bei Stane und Jedwina zu
machen. Wer weiss, vielleicht wirkt sich dies noch positiv auf
meinen Goldbeutel aus.
Die Nacht verlief ohne Zwischenfälle und am nächsten Morgen trafen
wir uns alle um in Ruhe zu frühstücken. Nachdem wir unser Mahl
beendet hatten, ging ich noch einmal hinauf in die Zimmer, um nachzusehen,
ob niemand etwas vergessen hatte - wir hatten natürlich unsere wichtigste
Habe mit hinunter zum Frühstück genommen, als dass nichts wichtiges
gestohlen werden konnte - und fand alle Türen offen. Wir hatten
sie zwar nicht abgesperrt aber dennoch wunderte es mich, da
ausser uns nur der Händler, das Spitzohr und noch eine weitere
Person diese Herberge besuchte. Es muss also einer dieser drei gewesen
sein. Prinzipiell würde ich es ja dem Spitzohr zutrauen bei uns Angroschim
nach guten Waffen und nach guter Rüstung zu suchen, da sie nicht in der
Lage sind, hochwertiges Metall herzustellen, jedoch hatte ich irgendwie
das Gefühl dass, wenn jemand der Gäste dahintersteckte - was als sicher
anzusehen ist - es sich um den sogenannten Händler handeln würde.
Leider hatte ich jedoch meine Aufmerksamkeit zu sehr auf das Frühstück
gerichtet, so dass ich nicht sagen kann, welcher der anderen Gäste beim
Frühstück im Gasthof an den Tischen sass. Unzufrieden mit mir sah ich mir
die Türen genauer an und entdeckte, dass diese durch einen Kreuzer
aufgehalten wurde. Wir hatten es also mit einem Einbrecher zu tun, dem
es nicht auf einen Kreuzer ankommt und der den eigentlichen Wert des
Geldes nicht zu schätzen weiss. Weiter konnte ich leider nichts
unternehmen, da nichts aus unseren Zimmern abhanden gekommen war und
wie hätte sich die Begründung angehört, dass ein Einbrecher sich Zutritt
in unsere Zimmer verschafft hat, nichts gestohlen hat und insgesamt
drei Kreuzer für uns hinterlassen hat? Ich wäre das Gespött der ganzen
Taverne gewesen.
Kurze Zeit später zogen wir weiter auf der Handelsstrasse nach Neersand.
Es passierte nicht viel, bis wir gegen Mittag auf einen kleinen, von
Mittelländerhand angelegten Hügel stiessen, auf welchem eine steinerne
Statue stand, welche in alle vier Himmelsrichtungen blickte. Da diese
Entdeckung eher unspektakulär ist und vielleicht für ein oder zwei
müde Blicke gut, gingen wir weiter Richtung Neersand um gegen ein Uhr
einige Schritt vor uns einen Planwagen ohne Pferde zu sehen, vor welchem
ein Mann stand, der, als er uns erblickte, auf uns zugelaufen kam.
Natürlich nahmen wir direkt Verteidigungsstellung ein, doch als er näherkam
bemerkten wir, dass dieser Mann zwar mit einem Kurzschwert bewaffnet war, dieses
jedoch nicht gezogen hatte. Also gingen wir nicht davon aus, dass von diesem
eher schmächtig wirkendem Mittelländer eine grosse Gefahr für unser
Leib und Leben drohte und liessen die Vorsichtsmassnahmen etwas locker.
Als er in Rufweite war, rief er uns sofort um Hilfe an, woraufhin Semo und
Paragon sich ihm näherten und fragten, was denn los sei.
Folgendes kann ich nur aus den Berichten meiner Gefährten erzählen, da ich
selbst nicht anwesend war.
Als Paragon und Semo den Mann erreichten, stellte er sich als Herr Marbrit Telpers, ein
reisender Händler vor und bat direkt um Hilfe, da er überfallen und seines
Sohnes beraubt worden war. Was ich bis heute nicht verstehe ist, warum sich das
Spitzohr in die ganze Angelegenheit eingemischt hat. Diese ging vor und wollte
wohl lauschen, was Herr Telpers zu sagen hatte und ich sah wie sie nach
kurzem Aufenthalt weiter zum Wagen des Händlers vorging und mit gesenktem
Haupt um jenen herumschlich.
Kapitel 4: Die Entführung
Nach kurzer Zeit erfuhr ich selbst, was passiert war. Herr Telpers war vor
etwa einer halben Stunde von fünf finsteren Gestalten gestellt worden
und sein Sohn wurde gezwungen, sich in die Obhut der fünf Schurken zu
begeben, auf dass sein Vater in einigen Tagen in Festum ein fürstliches
Lösegeld für ihn zahle. So bat uns der Vater ihm zu helfen seinen Sohn
aus den Fängen der Gauner zu befreien, die auch seine Pferde und sein
Gold gestohlen hatten. Stane und Jedwina waren sofort von der Idee
begeistert, diesem armen Mann zu helfen und so willigten wir ein, bei
der Suche nach Liscer - so hiess der Sohn - behilflich zu sein.
Anscheinend schien das Spitzohr doch etwas mehr zu können, als ich
anfangs annahm. Ihr gelang es am Wagen des Händers Telpers die Spuren der
Gauner aufzunehmen und uns in die Richtung zu führen, welche diese
gegangen waren. Und so verliessen wir den Weg und gingen in Richtung eines
kleinen Waldes, wobei ich anfing nach nützlichen Kräutern Ausschau zu
halten, da, sollten wir in einen Hinterhalt geraten oder aus irgendwelchen
Gründen einen harten Kampf bestehen müssen, diese dringend von Nöten sein könnten.
Jedoch sollte mir zunächst kein Glück beschert sein. Als wir in den Wald
eintraten, hiessen uns Paragon und das Spitzohr kurz warten - diese
beiden waren vorrausgegangen, da sie sich auf die Kunst des Spurenlesens
verstanden - und verliessen den vorgegebenen Pfad und waren nach kurzer Zeit
schon nicht mehr richtig zu sehen. So beschlossen wir gegen den Befehl
der uns Führenden zu handeln und weiter nach vorne zu stossen. Als wir
etwa an der Stelle angekommen waren, an der die beiden uns halten
liessen, sahen wir beide etwa 10 Schritt rechts von uns wie sie einen
Mann gestellt hatten, der einen sehr eingeschüchterten Eindruck machte.
Von der Neugier getrieben, wer dies wohl sein mag und ob er vielleicht die
Schurken gesehen hatte gingen wir zu ihm, mussten jedoch feststellen, dass
der Umgangston mit welchem er von unseren Fährtensuchern begrüsst wurde
etwas zu rauh war und so wandte ich all meine Überredungskunst an
um ihn davon zu überzeugen, dass wir ihm nicht böse gesonnen sind. So
erfuhren wir schliesslich, dass etwa eine halbe Stunde vorher die Bande
hier durchgekommen sein muss, mehr erfuhren wir aber leider nicht und machten
uns so gestärkt durch den Glauben, auf dem rechten Pfad zu gehen, wieder
auf Verfolungsjagd.
Da die Schurken schon einiges an Vorsprung hatten beschlossen wir, dass
Paragon eines der Packpferde nutzt, um schneller als wir das Pack
zu finden, zu verfolgen und uns eine unübersehbare Spur zu hinterlassen.
Als wir ihn jedoch einholten war dies auf dem Weg, auf welchem wir gekommen
waren und auf welchen die Spuren der Schurkenbande wieder führte. Da wir
annehmen mussten, diese Kindesentführer wären gen Festum gereist taten wir
es ihnen gleich, suchten aber gleichzeitig die Ränder des Weges nach Spuren
der Gauner ab. Als wir eine Zeit lang zurückgereist waren, mussten wir erkennen,
dass diese Schurken niemals diesen Weg genommen hatten und reisten
enttäuscht gen Neersand. Als wir den Wagen von Telpers erreichten fiel
unserem Spitzohr jedoch eine Spur vom Weg ab in die Sümpfe auf, welche
die gleiche zu sein schien, wie jene, die wir verfolgen. Und so entschieden
wir, dem Pack in sein Territorium, die Sümpfe, zu folgen. Dort kamen wir
leider langsamer vorwärts als gehofft und als der Sumpf gefährlich zu
werden schien, band sich das Spitzohr, welches immer noch vorrausging um
die Spuren zu lesen, ein Seil um und drückte es mir in die Hand, als
ob ich der Wiederkäuerin helfen würde, sollte sie im Sumpf versinken.
So gingen wir weiter bis die Sonne am untergehen war. Mit einem Mal blieb
das Spitzohr stehen und ich hiess den Rest der Gruppe hinter mir halten. Da
das Spitzohr eine Zeitlang nichts machte entschloss ich mich am Seil zu
ziehen, ich hatte schliesslich etwas besseres vor, als im Sumpf herumzustehen.
Jedoch reagierte sie nicht und auf heftigeres Ziehen fiel sie sogar um und
fing an im Morast zu versinken. Da sie doch nützlich zu sein schien
entschloss ich mich mit der Hilfe der anderen das Spitzohr aus seiner
misslichen Lage zu befreien und musste feststellen, dass sie an den
Beinen von fleischfressendem Getier verletzt wurde. Ich versorgte ihre
Wunden notdürftig und wir beschlossen hier unser Nachtlager aufzuschlagen. Ich
schaute mir noch kurz die Stelle an, an welcher das Spitzohr fast zu Tode
gekommen wäre und mir fiel eine bestimmte Pflanze auf, welche ich wohl vorher
schonmal in einem Lehrbuch gesehen hatte, deren Namen und Wirkung mir
allerdings entfallen war und so entschloss ich mich, in der nächsten
Stadt die Bibliothek aufzusuchen um zu überprüfen, um welches Herbum
es sich wohl handelt.
Als das Spitzohr wieder wach wurde, hiess ich sie mehr Vorsicht walten lassen
und wies sie darauf hin, dass Fleischfresser immer noch über
Pflanzenfressern in der Nahrungskette stehen. Diese Nacht verbrachten wir
eher schlecht als recht. Ich übernahm die zweite Wache da ich bei
der Menge an stechenden Insekten keine geruhsamte Nacht zu erwarten
hatte. In der Mitte meiner Wache sah ich mit einem Mal elf Tiere auf
uns zuhalten und erkannte sie bei näherer Betrachtung als übergrosse Egel.
Sofort nahm ich meine Pfanne in die Hand und schlug mit dieser gegen meine
Axt um den Rest unserer Gruppe zu warnen. Was folgte war der wohl peinlichste
Kampf, den unsere nun sehr geschrumpfte Söldnertruppe jemals erleiden sollte.
Ich will nicht weiter darauf eingehen, jedenfalls verbrauchte ich einige Kräuter
um jeden wieder soweit zu verarzten, dass es am nächsten Tage ohne Probleme
weitergehen konnte. Weiterhin sei vermerkt, dass es sich bei dem Getier wohl
um Riesenegel gehandelt hat.
Als der Morgen angebrochen war - ich hielt auch den Rest der Nacht Wache - entschied
ich mich nochmals nach Paragons Wunden und schliesslich auch nach dem
Spitzohr zu sehen. Danach frühstückten wir ausgiebig und obwohl das
Spitzohr schon kneifen und umkehren wollte entschied es sich nun doch
dazu, uns nicht im Stich zu lassen und den Spuren weiter
zu folgen, bis wir das Kindesräuberpack gefunden hatten. Dies hatten wir
sogar schneller gefunden als gedacht, keine 50 Schritt weiter verliessen
wir das sumpfige Gelände und befanden uns auf einem Trampelpfad, welcher
zwar auch recht feucht war, allerdings sank man nicht ein, wenn man darüber ging.
Mit einem Mal entdeckten wir in der Ferne einen kleinen Hain und inmitten dessen
eine Rauchsäule, wir hatten das Lager der Diebesbande gefunden. Wir gingen
langsam näher ohne zuviel Lärm zu verursachen und etwa 500 Schritt vor unserem
vermeintlichen Ziel hiessen wir Stane mit seiner Dienerschaft halten und machten
uns auf den Weg, Liscer zu befreien. Telpers selbst und der Händler, welcher
sich Yussuf nannte, blieben bei der Gefolgsschaft. Alsdann waren wir zu viert
die zusammen in den Kampf gingen: Telogrim (meine Wenigkeit), Semo, Paragon und
Iyona (das Spitzohr, welches ich nur der Vollständigkeit halber hier mit Namen
nennen will).
Als wir den Hain ohne weitere Probleme erreichten sahen wir, dass das Lager der
Diebe in einem Ring aus Büschen lag und diese Faulpelze anscheinend noch
schliefen. Das Lager selbst war primitiv aufgebaut, es hatte zwei
Hütten aus eher grob gehauenen Brettern, welche dem Wind durch ihre Ritzen
genügend Spielraum boten um immer einen Luftzug durch die Hütten zu lassen, einer
Feuerstelle in welcher heruntergebranntes Holz noch etwas rauchte und
einer Plane, welche wohl dafür gut ist, den morgentlichen Dunst zu sammeln
und so für frisches Wasser zu sorgen. Wir entschieden uns direkt vorzugehen und so
liess ich meine Armbrust am Wegesrand und zog meine Axt und wir schlichen uns vor
bis zu den Büschen um darauf zu warten, dass das Spitzohr etwas weiter entfernt
auf einen Baum geklettert war um mit ihrem Bogen Stellung zu beziehen. Alsdann
wollten wir vorgehen als wir Stimmen hörten und die Tür der linken Hütte
aufflog. Heraus kam einer der Diebesbande, ging zur rechten Hütte, sah nach
dem Rechten und ging wieder zur linken Hütte. Als wieder alles ruhig war nahm
Paragon seine Öllaterne, zündete diese an und schleuderte sie auf die linke
Hütte und wir begannen mit unserem Angriff. Ich übernahm die rechte Hütte
wohingegen Paragon und Semo die linke Hütte übernehmen sollten. Die Tür
der linken Hütte flog auf und einer der Räuber kam mit einem Kampfschrei
herausgestürmt um sofort von einem Pfeil des Spitzohrs zurückgeworfen zu werden.
Aus meiner Hütte kamen zwei der Diebesbande und ich hatte schon meine Not
mit diesem Gesindel fertig zu werden. Dankbarerweise kam mir Paragon
zu Hilfe, nachdem Semo die beiden Räuber in der linken Hütte unter Kontrolle
hatte und das Spitzohr schien es langsam auch einzusehen, dass wenn von
vier Kämpfern, sich drei auf zwei Gegner stürzen und einer alleine auch gegen
zwei kämpfen muss, es doch sinnvoll ist, diesen wenigstens mit Pfeilen zu
unterstützen. So gelang es uns die zwei mit denen ich zu tun hatte ohne weiteres
zu erledigen. Dazu muss ich noch sagen, dass es mich tatsächlich einmal umgehauen
hatte, aber als ich kurz später wieder wach wurde, fühlte ich mich soweit wieder
gut und habe noch mitbekommen, wie wir das Pack besiegt haben und Liscer, die
Pferde und das Geld von Telpers aus den Händen des Gesindels entrissen haben.
Später erfuhr ich noch von Paragon, dass einer der Räuber wohl Liscer mit
einem Messer am Hals aus dem Haus herausgeschoben haben muss, um diesen in seiner
Feigheit als Schutzschild zu nehmen; Iyona allerdings zeigte mit einem gekonnten
Schuss dem Schurken, wer hier der Boss ist und der Schurke
enschloss sich dazu, lieber wegzulaufen, als das Leben des Jungen zu beenden
und damit sein eigenes Schicksal zu besiegeln.
Nachdem wir wieder bei unseren Freunden waren war die Freude natürlich gross
über die geglückte Befreiung, auch wenn wir recht angeschlagen waren da wir
gegen eine Übermacht gekämpft hatten. Zum Dank für die Befreiung seines Sohnes
liess uns Herr Telpers sein ganzes Geld, welches ihm gestohlen wurde, immerhin
40 Dukaten und wir teilten dieses Geld unter uns auf, also unter Semo, Paragon,
Iyona und mir. Soviel hatte ich noch nie an einem Tage verdient.
Kapitel 5: Eine seltsame Krankheit und ein Fluchtversuch
Wir verliessen den Sumpf wieder um uns nach Hinterbruch aufzumachen, wo wir
unser Mittagessen zu uns genommen hatten. Hier sei noch erwähnt, dass ich
glücklicherweise etwas Donf gefunden hatte.
Auf dem Weg nach Winterbruch erzählte mir
Paragon etwas davon, dass das Spitzohr einen Zauber gewirkt haben soll um mich
zu heilen. Also bei aller Freundschaft für diesen Mittelländer, aber er ist
wohl dieser Elfe erlegen. Ich weiss wirklich nicht, was Mittelländer an solch
verhungert aussehenden Weibern finden.
Als wir wieder an der Statue mit den vier Gesichtern vorbeikamen, welche in
alle Himmelsrichtungen starrten trafen wir einen Mann namens Tetzmar
Alatzer. Er stellt sich als der hiesige Schank und Markvogt vor und als der
örtliche Richter. Er war sehr interessiert an unserer Geschichte über das
Diebespack und schien nicht sehr erfreut, dass wir drei von ihnen verschont
hatten. Jedoch war er dankbar für unsere Information über die Lage des
Diebeslagers und meinte, er würde sich um diese Angelegenheit kümmern. So
zogen wir dann weiter gen Hinterbruch um dort die Nacht zu verbringen.
Endlich in Hinterbruch angekommen mussten wir zu unserem Leidwesen erfahren,
dass alle Zimmer schon vergeben waren. So nahmen wir erst einmal etwas zu Essen
und ich schaffte es einer älteren Dame etwas Schnur und einen guten
Wanderstab abzukaufen, um daran meine gefundenen Kräuter zu trocknen. Nachdem
ich wieder zu meiner Gruppe kam, sah ich Paragon mit einem Krieger namens Jalan
wetten, dass er stärker sei. Nach mehreren Zwistigkeiten entschloss man sich
zuerst einen Wettkampf im Trinken zu veranstalten und danach einen
Ringkampf. Ich muss sagen, so habe ich noch keinen Mittelländer trinken sehen.
Ich war richtig beeindruckt davon, wie Paragon wie ein Zwerg ein Bier nach dem
anderen trank und danach hatte er natürlich kein Problem damit den hochnäsigen
Krieger im Ringkampf zu besiegen. Was ich nun erst erfuhr, Paragon hatte
mit dem Krieger und seinen Gefolgsleuten gewettet und gewonnen, wir hatten
nun ein Zimmer für die Nacht.
Am Abend des nächsten Tages erreichten wir endlich Neersand und begaben uns
zum Hafen, obwohl mir die Taverne lieber gewesen wäre. Allerdings war das
Schiff, auf das wir warteten noch nicht angekommen und so kehrten wir in die
Taverne Zum Schifferbalken ein. Man möge sich folgendes vorstellen:
Ein guter Zwerg sitzt mit seinen Kameraden am Tisch beim Essen und muss
diesen Tisch mit einem Spitzohr teilen. Soweit hört sich das noch normal an,
allerdings hat dieses Spitzohr namens Iyona Fleisch gegessen; und ich dachte
immer Spitzohren wären Wiederkäuer.
Nach dem Essen legten wir uns zur wohlverdienten Ruhe und am nächsten Morgen
gingen wir alle in die Stadt um Besorgungen zu machen. Im Hesinde Tempel
erfuhr ich über die Pflanze, welche das Spitzohr im Sumpf angelockt hatte.
Es war die wenig bekannte Iribar-Lilie.
Hiernach liess ich mein Kettenhemd reparieren und versuchte ein ärztliches
Besteck zu erstehen, was sich als kompliziertes Unterfangen herausstellte.
Schliesslich kaufte ich mir eine Bronzeflasche, präparierte den Donf
darin als Heilmittel und tauschte dieses Tonikum und 11 Dukaten
gegen ein ärztliches Besteck vom Hesinde Tempel zu Neersand und drei
vierblättrige Einbeeren ein.
Nachdem wir uns wieder in der Taverne Zum Schiffsbalken getroffen hatten
machten wir uns auf den Weg zum Hafen. Dort wurde gerade von einem Schiff,
welches unter dem Kommando von Daanje Primsneder stand - einem Vertrauten
der Ter Siwelings, Stanes Familie - die Habseligkeiten von Stane abgeladen.
Kurze Zeit nachdem die Habseligkeiten von Stane abgeladen waren und das
Schiff den Hafen verliess legte an gleicher Stelle die Wellenreiter an. Nun
wurde Stanes Habe auf das Schiff geladen und wir bestiegen das Schiff, welches
nun den Walsach hinauffahren sollte. Ich hatte ein ziemlich schlechtes
Gefühl bei diesem Teil der Reise, was wohl sehr am Wasser lag.
Gleich nachdem wir abgelegt hatten wurden uns von Jedwina zwei neue Mitstreiter
vorgestellt. Da war zum einen die Thorwalerin Sveja, zum anderen der
Söldner Lodrian, welcher sogar einen Hund bei sich führte. Die ersten drei
Tage auf dem Walsach verliefen ohne grosse Zwischenfälle. Am vierten Tag
begann dann das Wetter umzuschlagen; angefangen mit einem Nieselregen zur
Mittagsstunde wurde das Wetter immer schlimmer bis es schliesslich einen
kleinen Sturm gab. Wir legten daher recht früh des Abends an einem Steg
an, welcher zu einem kleinen Dorf mit nur 20 Häusern, die um eine grosse
Eiche gebaut waren, führte. Doch als sich unsere Gruppe dem Dorf näherte
erschallte ein Ruf Halt, nicht weiter. Borons Schwingen liegen über dem
Dorf und eine Person trat aus dem Schatten heraus. Als
sie näherkam stellte sie sich als kleines Mädchen heraus, ganz und gar mit
blauen Pusteln übersät. Natürlich fiel mir sofort auf, dass diese Pusteln
nur aufgemalt waren und dass man uns aus irgendeinem Grund nicht in diesem
Dorf haben wollte. So stellte ich mich dumm und bot meine Hilfe als Arzt an
und erklärte den Leuten, dass ich das junge Mädchen ohne weiteres von der
blauen Keuche heilen konnte. Während ich am verhandeln war machte sich
unsere Gruppe wieder zurück zum Schiff, anscheinend hatten sie doch einigen
Respekt vor der blauen Keuche. Als meine Gesellschaft schon wieder beim
Boot war kam eine Gestalt aus einem der Gebäude auf mich zugehuscht und sagte
mir, dass zwei Meilen stromaufwärts ein Dorf wäre und wir doch dort nächtigen
sollten um nicht der blauen Keuche zum Opfer zu fallen. Ich überredete
den guten Mann noch dazu, mir einen Beutel mit Heilkräutern für die
blaue Keuche zu überlassen, einen Beutel mit Blaubeeren um blauen
Farbstoff herzustellen. So fuhren wir dann weiter zum nächsten Dorf um
dort die Nacht zu verbringen.
Wir entschieden uns, eine Nachtwache einzuteilen und so sollte Sveja die
erste Wache, Semo die zweite, ich die dritte, Iyona die vierte und Lodrian
die fünfte Wache halten. Da Sveja die erste Wache hatte und schon
recht müde schien und auch im vorherigen Dorf recht abergläubisch war, kam mir
eine Idee, wie ich dieser Thorwalerin einen Streich spielen konnte.
Ich nahm während meiner Wache die Blaubeeren und fabrizierte etwas blaue
Farbe. Diese trug ich dann gekonnt auf Sveja auf und als die
Wachablösung kam, fielen Iyona eben diese blauen Tupfer in Svejas Gesicht
auf, welche sie sofort als blaue Keuche identifizierte.
Natürlich erklärte ich mich, obwohl gerade aus meinem wohlverdienten Schlaf
geweckt, sofort bereit, Sveja zu helfen. Ich führe sie also zum Fluss, weg
von den anderen abergläubischen Seeleuten um sie zu behandeln und muss sagen,
dass Sveja, bedingt durch ihr Temperament, mir vier Silberlinge für meine
Behandlung zahlen musste. Ich hatte nicht gewusst, wie leicht man als Arzt
sein Geld verdienen kann. Jedenfalls trug ich Sveja auf, sich stündlich zu
waschen und gab ihr eine Art Medizin gegen die blaue Keuche
und so kam es, dass Sveja für den Rest des Tages die sauberste Thorwalerin
war, die man jemals in ganz Aventurien hat antreffen können.
Als wir am nächsten Tag weiterfuhren, sah es mit dem Wetter schon besser aus,
allerdings machten uns des Mittags Baumstämme, welche den Fluss hinabtrieben
Schwierigkeiten. Einige Ruderer zogen sich leichte Prellungen zu und konnten
ihren Ruderdienst nicht mehr fortführen, weshalb Sveja, Iyona, Lodrian und
Paragon für diese einsprangen. Gegen Abend erreichten wir das Dorf
Drallsteg und entschlossen uns, dort anzulegen um die Nacht zu verbringen.
Das Dorf selbst war schon recht ungewöhnlich gebaut für diese Gegend. Es war
rundherum mit Palisaden umgeben und nur ein Tor bot einfachen Einlass. So
gingen wir ins Dorf und suchten die erstbeste Taverne welche unsere
Ruhestätte für diese Nacht werden sollte. Es war die Taverne Rüben und
Speck und ihr Besitzer war ein Mann mit einem schwachen Rückgrat. Als
wir des Abends in der Taverne sassen um zu essen, entschieden sich Sveja und
Paragon dazu, sich im Trinken zu messen; jedoch wurde dieses
Unterfangen von unseren Auftragsgebern jäh nach dem dritten Bier unterbrochen
und so entschlossen sie sich, sich erst einmal an Svejas Schnaps zu laben,
worauf ich in die Runde einstieg. Als es dann Zeit zum Schlafen wurde
entschieden wir, dass wir die ersten drei Wachen zu dritt verbringen sollten
und erklärten dem Wirt, dass dies eine zu schöne Taverne sei und sie auch so
bleiben sollte und erhielten ob unserer Lobpreisungen einen Fünf-Liter-Schlauch
Bier. So sassen wir auf Wache und tranken und erzählten Geschichten. Mit
einem Mal jedoch wurde unser Gelage jäh unterbrochen von einen Rumpeln, einem
Klirren und einem Schrei. Sofort stürzten wir in Stanes Zimmer und fanden
es verlassen vor mit geöffneten Fenstern. Draussen auf dem Pflaster lag
Jedwina, sich den Knöchel reibend und so entschlossen wir uns, auf dem
schnellsten Wege die Taverne zu verlassen, durch das Fenster. Gut unten
angekommen erfuhren wir von Jedwina, dass Stane nicht wie wir angenommen
entführt, sondern aus eigenem Antrieb heraus geflohen war, um der Hochzeit
mit Warzensaus Tochter zu entgehen. Natürlich schwanden unsere Chancen
auf ein gewinnbringendes Unternehmen beträchtlich, würden wir Stane nicht wie
vereinbart abliefern und so machten wir uns sofort auf den Weg ihm zu folgen.
Während die einen schnell zur Palisade liefen, um Stane auf direktem Wege zu
verfolgen, lief ich noch einmal schnell in die Taverne um all meine Habe zu holen
und dann durch das Tor die Verfolgung aufzunehmen. Da Lodrian ebenfalls seine
Habe zusammensuchte und sein Tier nicht über die Palisaden heben wollte
machten wir uns zusammen auf den Weg. Am ersten Treffpunkt an der anderen
Seite der Palisade angekommen fanden wir mehrere Amulette vor, welche wohl
gegen Geister schützen sollten. Es gibt tatsächlich noch genügend
Personen in dieser Welt, welche diese Amulette freiwillig tragen und sogar
Geld dafür geben. Also nahm ich sie an mich, um sie gewinnbringend an die
Schiffsmannschaft zu verkaufen, welche ich doch als sehr abergläubisch einschätzte.
Alsdann machten wir uns auf, unsere Kameraden einzuholen und schafften dies auch
in recht kurzer Zeit. Ich erklärte Iyona noch schnell, wie die Iribar-Lilie
aussieht und welche Wirkung sie hat und sie erwiderte mir, sie wüsste dies
schon. Verfluchtes arrogantes Spitzohr! Wenn sie es doch wusste, wieso wäre
sie dann vor wenigen Tagen fast von einer solchen Pflanze aufgefressen worden?
Nach einiger Zeit im Sumpf erreichten wir endlich Stane und fanden ihn in
Treibsand langsam versinkend vor, umgeben von 12 Sumpfranzen welche von
einer wirklich grossen Sumpfranze angeführt wurden. So brachten wir uns in
Stellung und ich hielt mit meiner Armbrust auf das grosse Vieh und erlegte
es mit nur einem Schuss. Tja, was hat eine solch niederes Tier schon einem
wahren Zwerg entgegenzusetzen. Paragon, welcher sich schon fast als Zwerg
zu fühlen schien, nahm sich an meiner Aktion ein gutes Beispiel und erlegte
die nächste Sumpfranze ebenfalls mit nur einem Schuss. So verging der Kampf
recht schnell und wir waren in der Lage, Stane zu erretten, welcher darauf
versprach, nie mehr solche Zicken zu machen und sich ab sofort in unsere
sichere Obhut zu begeben. Der Rückweg aus diesem sumpfigen Gelände wurde
dann recht unheimlich und vertat meine Chance, die Amulette gewinnbringend
an den Mann zu bringen. Es zog, wie in feuchten Gegenden üblich, ein dichter
Nebel auf welcher von den Schreien erwachender Flugwesen durchzogen wurde.
Aber es passierte natürlich nichts, was man nicht mit reiner Logik hätte
erklären können und so gelangten wir zurück zu unserer Taverne und wurden
von den Dorfeinwohnern gebührend als Helden empfangen. Wir machten uns alsbald
wieder auf den Weg und betraten das Schiff um gen Norden zu segeln, den
Walsach hinauf.
Kapitel 6: Die Flusspiraten und der Tod
Es war ein schöner Tag und obwohl wir uns auf Wasser befanden, empfand ich
eine grosse Zufriedenheit über die heroische Tat, welche wir gestern begangen
hatten. So setzte ich mich mit Paragon, Semo und Sveja unter Deck zusammen
um den Bierschlauch, welchen wir vom Wirt noch erhalten hatten, zu leeren.
Gegen Mittag legten wir dann am linken Ufer in der kleinen Ortschaft
Brimsbaum an, um dort ein gutes Mahl zu uns zu nehmen. Es war sehr wichtig
nun bei Kräften zu sein, da die Gegend die vor uns lag, die Gegend zwischen
Walserbach und Brimsbaum, bekannt dafür ist, oft von Piraten heimgesucht zu
werden. Alsdann bestellte unsere Truppe Bier um auch sicher bei Kräften zu sein,
sollten diese feigen Piraten es wagen, uns anzugreifen. Leider musste ich
feststellen, dass das Bier mehr nach Wasser schmeckte, als mir lieb war.
Zu allem Überfluss sah ich dann noch Primsneder mit einer schwerbewaffneten
Gestalt reden und bekam später zu hören, dass er einen Söldner namens
Duncan angeworben hatte, um uns auf der Fahrt gen Norden zu helfen. Als
Duncan aus dem Schatten trat, wunderte ich mich nicht schlecht, dass
Primsneder eine solch heruntergekommene Person anwirbt. Er musste der
Ansicht sein, dass wir jede Hilfe brauchen, die wir kriegen konnten.
Vielleicht wusste er etwas, was wir nicht wussten? Nun ja, jetzt ist es
zu spät für solche Vermutungen und ich sollte mich besser darauf
konzentrieren, meinen Bericht fertigzustellen, da dieser Teil meiner
Aufzeichnungen leider verlorengegangen ist.
Duncan schien ein rauher Bursche zu sein. Er war recht gross und strömte
einen unheilverkündenden Duft aus; leider sollten wir nicht viel mehr über ihn
erfahren. Immerhin schien er keine Ahnung von Bier zu haben, denn er sagte,
nachdem er sich zu uns an den Tisch gesellte, dass er das Bier in dieser
Taverne für gut hält. Als wir wieder auf dem Schiff waren, legte ich mich
erstmal schlafen um für eine eventuell bevorstehende Schlacht ausgeruht zu sein. Was
nun passierte kann ich nur den Erzählungen meiner Kameraden entnehmen und
daher nur vage beschreiben. Es scheint sich folgendes zugetragen zu haben:
Nur kurze Zeit, nachdem ich mich schlafen legte, wurden wir von mehreren
Booten verfolgt und probierten diesen zu entkommen, da es offensichtlich
Piraten waren. Von vorne kam dann, während wir noch auf der Flucht waren
ein Walsdrache direkt auf uns zu und Duncan, welcher sich dazu entschlossen
hatte unser Boot durch die Untiefen des Flusses zu dirigieren, gab
seinem Mut freien Lauf und spielte Angsthase mit dem Piratenschiff. Er hiess
den Steuermann direkt auf das Piratenschiff zuhalten, um es gegebenenfalls
frontal zu rammen. Er kann von Glück sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt
geschlafen habe, sonst hätte ich ihm eigenhändig den Schädel gespalten. Es
kam, wie es kommen musste, die Piraten bekundeten ihre Absicht unser Boot zu
entern, der Walsdrache manövrierte direkt links an unserem Boot vorbei und
fuhr so direkt über unsere Ruder hinweg, welche darauf zerbarsten. Genau
hiervon bin ich dann wachgeworden und beeilte mich, an Deck zu gelangen.
Als ich mich auf den Weg nach oben machte, hörte ich, wie die Ruderer ihre
Ruder fallen liessen (so dass nun auch unsere rechten Ruder teilweise im
Wasser landeten) und zu ihren Waffen griffen. Währendessen war deutlich das
Geräusch von schweren Wurfäxten auf Schiffsplanken und manchen fallenden
Körpern zu hören. Wissend der Situation, in welcher wir uns befanden, schnellte
ich hinauf um meine Dienste als Wundarzt anzubieten und für eine schnelle
Hilfe bei den Verletzten zu sorgen. Als ich an Deck kam, sah ich Sveja am
Ruder des Schiffes stehen und hinter ihr eine riesige Bank aus Nebel entstehen.
Etwas ähnliches hatte ich noch nie gesehen, der Nebel entstand einfach
aus dem Nichts und dazu noch in einer rasenden Geschwindigkeit. Man musste
nur einmal blinzeln und er war so dicht, dass ich die Piratenschiffe, welche
sich nun hinter uns befanden nicht mehr sehen konnte. Nur kurze Zeit später
ertönt es von Duncan "Wir werden von Piraten angegriffen". Nun, jetzt
schien es soweit zu sein. Ich begab mich direkt zum Mast, da dies die Stelle
des Schiffes ist, welche am ruhigsten lag und ich dort ohne Probleme mein
ärztliches Besteck aufbauen und die Verletzten versorgen konnte. Als ich gerade
dabei war mein Vorhaben in die Tat umzusetzen sagte mir Lodrian, ich solle
mein ärztliches Besteck besser hinter der Treppe zum Oberdeck bereitlegen, da
ich dort vor den Pfeilen der Gegner besser geschützt sei. Da er damit völlig
rechthatte, tat ich, wie er vorschlug. Der Erste, der zu mir kam, um meine
Hilfe in Anspruch zu nehmen war Semo, ein treuer Gefährte seit nun fast
einem Jahr. Er hatte einen Pfeil in der Brust, doch zum Glück hielt sein
Kettenhemd den meisten Schaden ab, so dass ich nur noch die Pfeilspitze
entfernen, seine Wunde reinigen und mit sauberem Tuch verbinden
musste.
Die Ruderer sassen mittlerweile an dem für sie angestammten
Platz an den Rudern und gaben ihr Bestes. Da diese jedoch nicht genug
waren, kam es, dass die Piraten uns einholten. Eifrig verteidigten meine
Mitstreiter unser Boot und gelegentlich musste ich kleinere Wunden schnell
versorgen, was mir auch immer schnell und gut gelang. Nichts anderes konnte
man von mir auch erwarten da ich doch schon so viel Erfahrung auf meinen
Reisen mit der Söldnertruppe erlangt habe. Jedoch waren auch diese
Bemühungen nur eine Frist, die wir erlangten, bevor unser Schiff geentert
wurde. Duncan versuchte noch mithilfe Öl gefüllter Amphoren die Gegner
zurückzudrängen, vergessend der Tatsache, dass nachdem der gegnerische
Walsdrache stark am Brennen war, die Piraten ihr Boot aufgeben mussten und
ein neues brauchten - unseres. Also enterten sie mit allen Mannen und meine
Gefährten Paragon und Semo hatten alle Hände voll zu tun, den Ansturm soweit
abzuhalten, dass die anderen Mitreisenden sicher vom Boot springen und an´s
Ufer schwimmen konnten. Die Schiffskonstruktion half sogar noch bei der
Verteidigung, da die Piraten das Heck geentert hatten und von diesem Heck
nur zwei recht enge Passagen zum Mitteldeck führten. Doch der riesige Ansturm
war nicht aufzuhalten. Also entschied ich mich, meinen Freunden zu Hilfe
zu kommen, ein Wundarzt war sowieso nicht mehr von Nöten, und mit meiner
Axt einfach in die Piratenmenge hineinzustürmen, um Verwirrung zu stiften
und somit meinen Kameraden die Gelegenheit zu geben, ihr eigenes Leben zu retten.
Ich weiss bis heute nicht genau, ob diese Unterfangen meinen Kameraden half,
ich jedoch war schneller niedergeschlagen von dieser Piratenbrut, als ich
gedacht hätte und war dem Tod sehr nahe.
Kapitel 7: Wiederauferstehung
Zunächst sei dem geneigten Leser angeraten dieses und das nächste Kapitel
zu überspringen, wenn er nicht an Hexen glaubt. Zwar kann ich es ihm
bei meinem Bart versichern, dass diese meist nette Frauen sind, doch muss ich
eingestehen, dass auch ich, hätte ich diese Zeilen noch vor 10 Jahren
gelesen, sie als blosse Erfindung abgetan hätte. Aber seid versichert,
genau so hat es sich zugetragen.
Ich erinnere mich der Schwärze, welche mich umgab. Es war eine Situation
zwischen Traum und Wirklichkeit und zuerst vermutete ich in Borons Reich
eingegangen zu sein und versuchte zu erkennen, wo ich mich befand. Nach
einiger Zeit wich die Schwärze einem dichten Nebel, der sich auch langsam
aufzulösen begann. Vor mir stand ein grosses, breites, schwarzes Etwas. Noch
konnte ich den Konturen keinen Gegenstand und auch kein Lebewesen zuordnen
und so starrte ich angespannt auf die bauchige Kontur, die langsam Form
anzunehmen begann. Es war ein Kontrabass. Nun stellte ich mir die berechtigte
Frage: Wo bin ich verdammt? Dann drückte man mir einen Bogen in die
Hand, wohl in der Annahme ich würde jetzt anfangen auf dem Kontrabass zu
spielen. Ich blickte um mich und sah viele Frauen, Paragon, Iyona und noch
zwei weitere Männer, die mir nicht bekannt waren, welche aber anscheinend
zu Paragon und Iyona gehörten. Dann fiel mein Blick auf drei Tische mit
Essen überhäuft und mein Magen berichtete mir, dass ich seit mehreren
Tagen nichts gegessen hatte. Also fiel ich, mich nicht um meine Freunde oder
sonst jemanden kümmernd, gierig über die Nahrung her. Während ich wie ein
Besessener am essen war, erdreistete sich das Spitzohr mich zu unterbrechen,
nur um mir zu sagen, dass die anwesende Damenschaft wohl Hexen seien. Ich
wusste gar nicht, dass Elfen abergläubisch sind. Während ich ass, beschloss ich
mir die beiden neuen Recken mal genauer zu betrachten. Der eine war ein
stattlicher Krieger mit Anderthalbhänder und Bogen, der andere ein für
Mittelländer eher kleiner Hutzel, gehüllt in einen schwarzen Mantel. Als
ich anfing, dank der eingenommen Nahrung, mich besser zu fühlen bemerkte ich
erst meine Leichtigkeit. Es ist schon peinlich für einen stolzen Angroscho
wie mich dies eingestehen zu müssen, aber ich trug mein Kettenhemd nicht mehr.
Wohlmöglich war es mir von diesen feigen Piraten abgenommen worden. Es
würde jedenfalls zu ihnen passen, mit einer Hundertschaft ein kleines Boot
anzugreifen, die Besatzung abzuschlachten und dann noch jeden Ring eines
Kettenhemdes von den Toten stehlen.
Paragon schien meine Stimmung richtig einzuschätzen und tippte mich von
hinten an, um mir mein Kettenhemd zu geben, welches ich natürlich sofort
überzog und mich gleich wie ein richtiger Angroscho fühlte. Aber irgendwie
währte ob meines Durstes die Freude nur sehr kurz, aber zum Glück hatten
die Hexen sechs Metfässer neben die Tische gestellt und so ging ich mit
Paragon zu besagten Fässern, um etwas dem Alkohol zuzusagen. Nun fühlte ich
mich wirklich besser und Paragon schilderte mir grob, was geschehen war:
Er schilderte noch die Schlacht auf unserem Schiff, als er mich aus dem
Auge verlor und wie wild er einen nach dem anderen der Piratenbrut niedermetzelte
und mich doch nicht erspähen, geschweige denn erreichen konnte. So entschloss
er sich, sein eigenes Leben zu retten, um später nach mir suchen zu können.
Wie sich herausstellte, war dies eine weise Entscheidung, denn kaum hatten
er und Iyona sich an Land gerettet, so sahen sie mich fast leblos im
Wasser treiben. Sofort zogen sie mich an Land und entkamen mit der
Hilfe eines gewissen Friedtjhoff den Piraten. Auf dem Weg hier
zu den Hexen, welche anboten mein Leben zu retten, trafen sie noch den
Söldner Nasir Al Azif und den Forscher Tysis. Sehr bedauern
musste ich, dass ich einen der Hauptverantwortlichen für meine Rettung,
Friedtjhoff, nicht kennenlernen durfte, aber er schien eher vom zart
besaitetem Schlag zu sein, da er wohl fast verrückt geworden war, bei dem
Gedanken, sich zu Hexen zu begeben. So verliess er die Gruppe, doch diese
war fest entschlossen mein Leben zu retten und trug mich so zu den
Hexen, welche mich alsbald heilten und dafür nur unsere helfenden Hände
forderten, die ihre Instrumente spielen sollten, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt
noch nicht daran glaubte, jemals ein Instrument zu spielen.
Nachdem wir nun wieder alle zusammenstanden, überkam mich das dringende
Bedürfnis Kontrabass spielen zu wollen. Ich hatte zwar noch nie auf einem
solchen Instrument gespielt, aber sollt ihr wissen, dass es mir sehr gut
gelang, die schönsten Töne auf dem Instrument zu erzeugen. Als ich gerade
die schönsten Klänge aus dieser Boronsharfe herauskitzelte, hörte ich von
Paragon ein leises psssssst gefolgt von einem Unheil verheissendem
Blick zur Seite. Ich folgte seinem Blick und sah ein schwarze Katze. Nicht dass
es ungewöhnlich ist in der Nähe von Hexen auf schwarze Katzen zu treffen,
jedoch machte diese Katze Musik. Meinen irritierten Blick bemerkend, raunte
Paragon mir zu, wir würden halluzinieren und es wäre die Schuld des Mets,
welchem wir eben wohl doch zuviel zugesprochen hatten. Ich konnte das
ganze nicht recht glauben und so entschloss ich mich, nachdem meine Lust
zu musizieren verflogen war, sofort nachzuprüfen, ob wirklich eine Katze
neben mir sitzt und zusammen mit mir und meinen Kameraden Musik macht.
Ich ging zu dem schwarzen Pelztier und trat es kräftig von der
Bühne und war nicht überrascht, wirklich eine Katze von der Bühne fliegen
zu sehen. Was auch immer dies für eine Halluzination war, wenn es eine war,
so war sie sehr real, wie auch das pelzige Gefühl auf meiner Zunge,
nachdem ich die Katze von der Bühne trat.
Ich begab mich nun zusammen mit Paragon von der Bühne hinab. Die Elfe
scheint sich schon vorher abgesetzt zu haben und ich konnte sie misstrauisch
dreinblickend am Waldrand erkennen. Die beiden anderen Gestalten unserer
Gruppe spielten noch freudig weiter auf ihren Instrumenten, wieso hatte ich
eigentlich ein Instrument gespielt?
Mit einem mal ging etwas unter den Hexen vor und ein verheissungsvolles
Raunen kam aus der Menge. Sie fingen an eine Gasse zu bilden, als ob sie
auf die Ankunft einer Person warten würden. Ich bewegte mich langsam auf
die Hexen zu, da ich schon neugierig war, was uns da erwarten würde und zur
Sicherheit brach ich noch an einem der Tische ein Bein ab, um wenigstens
bewaffnet zu sein. Mit einem Mal schlug das verheissungsvolle Raunen in ein
entsetztes Gemurmel um und ich sah einen grauen Kater, welcher aus mehreren
Schnittwunden blutete und eine Nachricht in seinem Maul zu überbringen schien.
Er blieb vor der ältesten der Hexen stehen, setzte sich und wartet geduldig,
dass die Hexe den Zettel aus seinem Mund nahm und ihn laut vorlas. Den
genauen Worlaut kann ich leider nicht mehr wiedergeben, jedoch sollte diese
ungefähre Beschreibung reichen:
An alle Hexen war der Zettel gerichtet und berichtete von einer gewissen
Juselin, welche sich in der Gewalt einer wohl bösen Hexe Krendar befand.
Als Beweis habe sie diesen Kater geschickt, welcher wohl der Vertraute
der Juselin war. Sie forderte, wie nicht anders üblich in solchen Fällen, ein
Lösegeld in Form eines magischen Kessels.
Desweiteren nannte der Wisch noch Zeit und Ort der Übergabe und die Forderung,
dass keine Hexe an der Übergabe beteiligt sein dürfe.
So kam es, wie es kommen musste; die Hexen baten uns, für sie den
Kessel zu übergeben und dafür Juselin als Gegenleistung zu ihnen in die
Freiheit zu führen. Nach längeren Verhandlungen kamen wir zu einer für beide
Seiten genehmen Übereinkunft. Unsere Gruppe solle den Kessel übergeben und
die Hexe Juselin befreien, dafür würden die Hexen währenddessen nach unseren
Kameraden suchen und uns später bei einem etwaigen Kampf gegen die Piratenbrut
Unterstützung gewähren.
Kapitel 8: Die Befreiung Juselins
Wir, damit meine ich Paragon, Iyona und ich, reisten, wie mit den Hexen
abgesprochen auf einem schmalen Trampelpfad gen Norden und wurden auf unserer
Reise von dem grauen Kater Pallikratz angeführt. Es ist schon recht seltsam
von einem Kater angeführt zu werden, aber anscheinend wusste das gute Tier,
wohin es zu gehen hatte. Er führte uns zu einer kleinen Lichtung und wartete,
bis wir ihm gleichtaten und einige Zeit später sahen wir am Himmel von
Norden ein fliegendes Fass auf uns zukommen. Darin standen ein altes,
schrumpeliges Weib und eine junge, gefesselte Dame, welche wohl das Opfer war.
Sie landeten zehn Schritt vor uns und wir wickelten die Übergabe so professionell
ab, wie es sich für eine ehemalige Söldnertruppe gehört. Nachdem wir also
die vermeintliche Juselin befreit hatten und Krendar mit einem bösartigem Lachen
davonflog, entfernten wir die Fesseln und den Knebel und staunten nicht schlecht,
als Juselin direkt anfing zu altern, immer grauer wurde, um sekundenschnell zu einer
kleinen Alraune zu schrumpfen. Man hatte uns offensichtlich schwer hintergangen
und betrogen. Zum Glück hatten wir Pallikratz auf unserer Seite, denn er schien
zu wissen, in welche Richtung wir zu gehen hatten, um unseren Auftrag doch noch
zu erfüllen. Ich wollte nicht wissen, was die Hexen mit uns machen würden,
müssten wir ihnen von unserem Missgeschick berichten.
Wir gingen Richtung Nordwesten auf einem Trampelpfad bis zu einer Kreuzung,
an welcher wir uns gen Nordosten richteten, um kurze Zeit später direkt gen
Norden zu gehen, abseits jeden Weges. Beim Durchstreifen des Waldes
fielen uns Fussspuren ins Auge, welche wohl vorher keiner von uns
jemals gesehen hat. Sie waren fast zwei Schritt lang und glichen denen
von Hühnern, jedoch waren sie so tief in den Boden gedrückt, dass sie von
einem sehr schweren Huhn stammen mussten. Obwohl dieses grosse Huhn ein
vortreffliches Mahl versprach, gingen wir weiter nach Norden, um unseren
Auftrag zu erfüllen und kamen alsbald zu einem Bergarm des Finsterkamms, welcher
bis zu einem Fluss reichte. Das gegenüberliegende Ufer war von Wald gesäumt
und etwas dahinter sah man in einem Berghang unser Ziel, die Hütte der
Hexe Krendar, soweit man dieses aus Stein gebaute Haus noch Hütte nennen kann.
Während wir alle noch unser Ziel begutachteten, sahen wir aus dem Schornstein des
Hauses die Hexe Krendar in ihrem Fass herausfliegen und gen
Osten davonschweben. Da dies offensichtlich unsere Chance war,
ungestört das Haus durchsuchen zu können, machten wir uns schnell auf den
Weg den Fluss zu überqueren, was uns auch recht schnell gelang. Lediglich
das Schwert Paragons wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen, als er
einen kleineren Baum fällte, um sicher von einem zum anderen Ufer zu kommen und
so schleuderte er das unbrauchbar gewordene Utensil in den Wald. Der Weg
zur Hütte selbst gestaltete sich dann komplizierter als erwartet. Der Hang,
der zur Hütte führte war recht steil und wir alle hatten schon unsere
Not, diesen zu überwinden. Doch schliesslich sollte es uns gelingen und wir
kamen gut oben an und standen vor einem zweistöckigen Haus mit Dachboden.
An der östlichen Seite war auf Höhe des ersten Stockes eine grosse Veranda,
zu der eine Treppe führte. Unter der Treppe war der Eingang zum Haus
und während das Spitzohr sich erstmal die Fenster betrachtete, wahrscheinlich um
wie ein Dieb in das Haus zu gelangen, ging ich zur Tür und öffnete diese.
Wozu durch ein Fenster einsteigen, wenn die Haustür nicht abgeschlossen ist?
Von diesem Raum aus gingen vier Türen ab, eine nach Osten, eine nach Norden,
eine nach Westen und aus der südlichen haben wir den Raum betreten. Als
erstes gingen wir in den östlichen Raum, in dem Iyona vorher Käfige hat stehen
sehen und tatsächlich waren hier viele Tiere eingesperrt. Ich liess die
kleinsten von ihnen frei. Paragon untersuchte unterdessen das Mobiliar,
entdeckte drei Tränke im Schreibtisch und steckte diese ein. Dann machten wir
uns wieder in die Eingangshalle, um die Tür nördlich zu wählen. Dieser Raum
enthielt einen Tisch mit Stühlen und eine Kommode aus Edelholz, auf welcher
ein Tablett mit zwei Pokalen und einer Flasche, halbvoll mit irgendeiner
Flüssigkeit, stand. Eine weitere Tür ging von hier aus ab gen Westen und diese
sollte unser nächstes Ziel sein. Dahinter befand sich ein Gang, welcher
am Ende eine Biegung gen Süden hatte und dazwischen gingen drei Türen gen
Süden ab. Nachdem sich das Spitzohr fast eine Minute lang an der ersten horchend
aufhielt, wurde mir das ganze zu dumm. Wir hatten keine Zeit zu
verschwenden. Wer weiss, in welcher Gefahr unsere Freunde, Stane und
Jedwina waren. Also ging ich einfach zur Tür und öffnete diese. Dahinter
befand sich eine Küche, in welcher wir wohl kaum hoffen konnten, Juselin
gefesselt und geknebelt anzutreffen. Also machten wir uns weiter zur
nächsten Tür, hinter der sich die Vorratskammer befand, aus der vier Reisigbesen
klappernd auf uns zukamen. Ich schmiss die Tür einfach wieder zu, denn warum
jetzt Zeit mit einem Kampf verschwenden, wenn dies doch nicht nötig war?
Hinter der nächsten Tür befand sich ebenfalls nichts besonderes und so gingen
wir um die Biegung und sahen eine Treppe in den ersten Stock und begaben uns
über diese in einen weiteren Gang, in dem drei Türen gen Norden abgingen und eine
gen Osten, welche wohl auf die Veranda führen musste. Hinter der ersten Tür
fanden wir ein recht groteskes Bild, welches wohl jeder abergläubischen
Person einen Heidenschrecken eingejagt hätte. Inmitten des Raumes war ein
Pentagram mit roter Kreide gezeichnet und die Wände waren mit irgendwelchen
Schriftzeichen in brauner Kreide bekritzelt. An jeder Ecke des Pentagrams
waren Tierschädel aufgestellt, welche als Kerzenständer dienten. Als
ich schon die Tür zuschlagen wollte, hiess mich Iyona kurz halten und schnellte in
den Raum, um einen der Schädel von einer Ecke des Pentagrams zu entfernen.
Ich weiss zwar nicht, was sie damit bezweckte, da wir aber auf unserer weiteren
Suche auf kaum Widerstand trafen, schien es seinen Zweck wohl erfüllt zu haben.
Im nächsten Raum befand sich wohl das Schminkzimmer der Hexe, da an der
nördlichen Wand ein Schminktisch stand und ein Spiegel an der Wand angebracht
worden war. Eitel wie Spitzohren nunmal sind, montierte unser Spitzohr direkt
den Spiegel ab und steckte ihn ein. Von diesem Zimmer aus ging eine
weitere Tür gen Osten ab, durch welche wir in einen Raum kamen, in dem ein
riesiges Ei lag. Da wir keine Ahnung hatten, was darin ist und es im Moment
auch nicht wissen wollten, gingen wir durch die südliche Tür wieder auf den
Gang, um hier eine Falltür zum Dachboden zu bemerken. Allerdings war diese
zu hoch für uns, um heraufzukommen. Wir brauchten eine Leiter. Da wir bisher
noch keine Leiter im Haus gefunden hatten, beschlossen wir auf der Veranda
nachzusehen, um, man höre und staune, von fünf übergrossen Eichhörnchen angegriffen
zu werden. Da ich vorging und nicht behaupten kann, ein Eichhörnchen sei
ein angemessener Gegner für mich, blieb ich erst einmal verdutzt stehen und
wartete den ersten Angriff ab. Die armen Biester waren noch ungeschickter als
ich zuerst dachte und stellten keine Gefahr für uns dar. Dennoch schoss Iyona
einen Pfeil auf das mir am nächsten stehende Eichhörnchen, welches blutend
zusammensackte. Dann hiess sie mich, die Leiter holen, welche an der
westlichen Wand der Veranda lehnte. Also begab ich mich zur Leiter und Paragon
gab mir mit Iyona Deckung. Nachdem ich die Leiter in den Gang
verfrachtet hatte, war Paragon wohl in einer Art Blutrausch, denn ich musste
ihn überreden, nicht die ganze Bande von Eichhörnchen gleich abzuschlachten.
Aber schliesslich hörte er auf mich und kam zu uns in den Gang und wir schlossen
einfach die Tür und überliessen die Eichhörnchen ihrem Schicksal.
Alsdann legten wir die Leiter an die Falltür und Paragon war nicht schlecht
überrascht, als er auf den Dachboden stieg und ihm wohl eine bedrückende,
schwarze Last auf dem Kopf hing. Er duckte sich sofort und Iyona und ich
betrachteten uns ob dieser lächerlichen Erscheinung, Paragon hatte einen
Filzhut mit Feder über den Kopf gezogen bekommen. Nachdem er diesen
entfernt hatte, räusperte er sich kurz, um dann wieder einen Blick auf den
Dachboden zu werfen und erschrocken den Kopf einzuziehen. Er faselte etwas
von einem Männchen mit einem Hirschgeweih und als er wieder, diesmal etwas
vorsichtiger,hochlugte, verzog er kurz das Gesicht, als wäre er auf den
Arm genommen worden und ging auf den Dachboden, was wir ihm gleichtaten. Dort
sahen wir einen kleinen Rotschopf, welcher ein Hirschgeweih, gebaut aus
kaputten Besen, auf dem Kopf hatte und für uns keine Gefahr darzustellen
schien. Desweiteren sah es auf dem Dachboden aus wie auf jedem anderem Dachboden.
Alles war voller Gerümpel, ein paar alte Schränke standen herum und
einige Bücherstapel standen im Staub. Iyona schien sich sofort für einen
Stapel zu interessieren und wollte gerade das oberste Buch nehmen, als der
Stapel vor ihr wegzulaufen schien. Aber mal so nebenbei bemerkt, wer
würde nicht sofort weglaufen, wenn eine Elfe versuchen würde ihn zu
berühren? Jedenfalls gelang es der guten Frau dann doch noch einige
der Bücher einzufangen und in ihren Besitz zu bringen. Währenddessen
kümmerten Paragon und ich uns um den kleinen Rotschopf, welcher vielleicht
wusste, wo Krendar Juselin versteckt hält, doch dieser wollte einfach
nichts verraten und verlangte dauernd nach einem Honigkuchen und egal
was wir taten, egal ob wir ihm drohten oder ihm Honigkuchen versprachen,
er wollte erst reden, wenn wir ihm einen Honigkuchen brachten. Zum Glück
erinnerte ich mich an die Vorratskammer mit den Besen und dass dort auch
Honig stand und so ging ich mit Paragon hinunter, diesen zu holen. Während
Paragon mit seinem Schild die Besen abwehrte und mit seinem Dolch
einen sogar in der Mitte durchschnitt, fand ich ein Glas Honig und wir
gingen, die Tür zur Voratskammer hinter den Besen zuschlagend, wieder zum
kleinen Rotschopf und für dieses Glas Honig verriet uns der Kleine, dass
Juselin in der Hütte Hühnerbein gefangen gehalten wird, diese Hütte
beweglich sei und nur auf Reime höre. Paragon erinnerte sich direkt wieder
an die Fussspuren, die wir im Wald entdeckt hatten und so machten wir uns
direkt auf den Rückweg, um diese Spuren bei Tagesanbruch zu finden. Wir
waren schon recht ausgelaugt, als wir die Spur der Hütte fanden und mir
gelang es, die Spuren einwandfrei zu erkennen und zu bestimmen, in welche
Richtung die Hütte sich wohl bewegt hatte. Es wunderte mich indessen, dass gerade
für Iyona, welche dem Auelfenvolk zugehörig ist und doch Spurenlesen können sollte,
diese Spuren einfach zu gross zu sein schienen.
Also führte ich die Gruppe an und wir fanden die Hütte Hühnerbein auf einer
Lichtung stehen. Als erstes versuchte Paragon uns Einlass zu erwirken, mit
dem Spruch Liebe Hütte Hühnerbein, lass uns in Dein Haus hinein, aber nichts
tat sich. Als nächstes versuchte ich mein Glück mit Liebe Hütte
Hühnerbein, senk Dich ab und lass uns ein und verschaffte uns damit
Einlass. Bemerkt werden sollte noch, dass die Hütte auf gut fünf Schritt
hohen Hühnerbeinen ruhte. Als wir die Hütte betraten, sahen wir eine weisse
Taube in einem Käfig, die eine silberne Nadel nahe dem Herzen in sich stecken
hatte, einen schwarzen Raben, der vorher auf Krendars Schulter sass und
den magischen Kessel. Als Paragon und ich uns auf die Taube zubewegten, schien
der Rabe nervös zu werden und griff uns an. Nach einem kurzen Kampf wurde
es dem Raben dann wohl doch zuviel und als Iyona in der Tür auftauchte,
flog er an ihr vorbei und davon, wahrscheinlich um seine Herrin zu
alarmieren. So beeilten wir uns und nahmen Kessel und Taube aus der Hütte,
Juselin hatten wir leider nicht gefunden, aber vielleicht war sie ja in die
Gestalt der Taube gebannt worden, wer weiss schon, was eine Hexe alles
zaubern kann. Zuerst probierten wir die Hütte Hühnerbein zu zerstören,
aber der Spruch Liebe Hütte Hühnerbein, spring jetzt hoch und mach dich
klein war nicht von dem Erfolg gekrönt, den wir erhofften. Jedoch
bemerkte ich nun ein reges Interesse von Pallikratz an der Taube und so
entschloss ich mich, diese aus dem Käfig zu holen. Iyona warnte mich,
die Silbernadel nicht einfach so zu entfernen und dies lieber die Hexen tun
zu lassen. Ich bewegte meine Hand an die Silbernadel, machte Anstalten,
diese herauszuziehen und wartete die Reaktion von Pallikratz ab. Diese schien
recht positiv zu sein und so entfernte ich die Nadel und langsam wurde
aus der Taube die Hexe Juselin.
Als wir sie begrüssten, war sie noch recht verwirrt, was man der Guten ja auch nicht
übelnehmen konnte und nach kurzer Erklärung sagte sie, sie müsse auf dem
schnellsten Weg zurück zu ihrem Hexenzirkel und so machten wir uns auf
den Rückweg, natürlich mit dem magischen Kessel.
Kapitel 9: Semo lebt
Ich muss sagen, dass nach diesem anstrengenden Abenteuer unsere Heimreise wie
eine Kur für jeden von uns war und der Empfang, der uns geboten wurde, war
gewürzt mit dem, was uns in diesem Moment am meisten am Herzen lag - Essen.
So verfielen wir erst einmal der Völlerei, um dann darüber informiert zu
werden, dass die Feierlichkeiten der Hexen alsbald weitergehen werden und
wir die Ehrengäste dieser Feier wären. Wohlwissend, dass wir hier ein Ereignis
geboten bekamen, das nur wenigen Zwergen zu sehen gewährt ist, freuten
wir uns auf die Festivitäten. Nur meine Wenigkeit fühlte sich noch nicht ganz
wohl, denn obgleich ich mir meiner Stärke wohl bewusst war, musste ich
mir doch eingestehen, dass ich die Pflege meines Kettenhemdes etwas habe
schleifen lassen. Daher bat ich die Hexen mir zwei Zangen zu bringen, um
wenigstens das Notdürftigste zu reparieren. Eine halbe Stunde später sollte ich
diese Zangen auch erhalten, um leidlich feststellen zu müssen, dass es einiger
Ringe bedurfte, um mein Kettenhemd in ein zwergenwürdiges zu verwandeln.
Und als ob dies nicht schon genug wäre, so erdreistete sich doch
eine kleine grüne Kröte auch noch, mich anzuquaken. Wohlwissend jedoch, dass
diese Kröte einer der Hexen gehören könnte und eben dieser Hexe wohl viel an
diesem grünen Schleimgetier liegen könnte, verzichtete ich darauf, der Kröte
schlagkräftig zu sagen, dass sie mich nicht so dumm von der Seite anquaken
soll. Zum Schluss der Festivitäten, auf welche ich hier nicht weiter eingehen
möchte, liessen mir die Hexen noch ein grosses Fleischermesser zuteil werden,
wohl in der Absicht, mir eine Waffe zu schenken. Nichtsdestotrotz entschloss
ich mich nun endlich schlafen zu gehen - jedoch versuchte Tysis mir dieses
Vorhaben zunichte zumachen. Dauernd erzählte er mir von der Feier (die ich
wie gesagt auch bewundern durfte) und wie toll diese gewesen sein soll. Nun
gut, er scheint wohl dem Alkohol oder einem anderem Rauschmittel etwas zu
stark zugesprochen zu haben - daher entschloss ich mich nichts weiter zu
unternehmen, mich umzudrehen und von den Zwergenbräuten zu träumen, welche
ich schon so lange nicht mehr gesehen habe.
Am nächsten Morgen waren von der ganzen Hexenbande noch zwei Hexen anwesend,
welche das Abkommen, das wir mit den Hexen getroffen haben einzulösen
gedachten. Wir erfuhren, dass Stane, Jedwina, Ohms, Primsneder und Semo
mit vier Leuten der Schiffsbesatzung in einem Piratencamp gefangengehalten werden
und auf Rettung warten. Desweiteren schienen noch fünf weitere Mitglieder der
Schiffsbesatzung im Wald umherzuirren. Soweit war ich schon beruhigt davon
zu hören, dass Semo lebt, allerdings musste ich erfahren, dass er schwer
verwundet war und diesen Wunden wohl auch erlegen würde, würde ich ihm nicht
schnellstmöglich meine Heilkünste zuteil werden lassen. Um die ganze Situation
noch mehr zu erschweren, waren die Piraten auf dem Rückweg in das bis dahin
wenig bewachte Lager und sie sollten wohl nur noch zwei Tage brauchen,
um dieses zu erreichen, würden sie normal weiterreisen. Wir selbst
hatten auch einen Marsch von etwa zwei Tagen zu bewältigen und so schien es
uns das beste zu sein, sofort aufzubrechen, um unsere Freunde zu befreien. Die
Hexen baten wir noch, sich der fünf Schiffer anzunehmen, welche verstreut
durch den Wald liefen. Auf diese Art, verschollen in einem undurchdringlichen
Wald, sollte niemand sterben.
Hier muss ich dem geneigten Leser empfehlen, beim nächsten Abschnitt
weiterzulesen, sollte er Spitzohren als liebliche und nette Geschöpfe empfinden,
denn dieses verfluchte Elfenweib war nicht aufzufinden. Da drängte die Zeit
unsere Kameraden zu retten und dieses Grünzeug fressende Geschöpf sass
wahrscheinlich irgendwo auf einem Baum, um eines ihrer Spitzohrlieder zu
trällern. Man kann sich meine Wut gar nicht vorstellen, ist man nicht dabeigewesen
und hat laut Paragon meinen hochroten Kopf gesehen. Also mussten wir uns
aufteilen, um dieses verfluchte Weib zu suchen.
Anmerkung ans Tagebuch: Im nächsten Hesinde-Tempel darüber informieren, ob
Elfen weniger elfisch sind, wenn man ihren Ohren eine natürliche Form gibt.
Ich entschloss mich gen Norden zu suchen, da ich wusste, dass in dieser
Richtung eine Quelle ist und Iyona doch so gerne im Wasser planscht.
Jedenfalls sei nur kurz erwähnt, dass ich diese halbe Portion
tatsächlich am Flussufer auf einem Baum beim Pfeileschnitzen fand.
Wieder in´s Lager zurückgekehrt, unterhielten wir uns mit der nun letzten Hexe -
ihr Name war Stina - darüber, welches die beste Möglichkeit sei, in das
Piratenlager zu kommen. Wir entschlossen uns, einen Gewaltmarsch zu versuchen
um noch vor den Piraten unsere Kameraden zu erreichen. Diesen Gewaltmarsch,
man möge mir verzeihen, will ich nicht in allen Einzelheiten schildern, da
dieser recht langweilig war. Lediglich eine Situation sollte vermerkt bleiben,
die beweist, dass Elfen niemals wirklich Intelligenz entwickelt haben.
Wir gingen gerade über eine Wiese und mussten in einen Metern Entfernung
einen Hain durchqueren. Auf den Bäumen dieses Haines sassen zahlreiche
Winzlinge und starrten uns neugierig an. Natürlich wusste ich, dass diese
kleinen, harmlosen Geschöpfe gerne mal einen Scherz mit unwissenden Wanderern
machen und so liess ich etwas mehr Aufmerksamkeit den Winzlingen zukommen.
Als wir den Hain jedoch durchquerten, schien es nicht so, als wäre etwas
passiert. Die ganze Zeit starrte ich zu den Winzlingen hinauf, aber keiner
schien auch nur ein Blatt auf uns schmeissen zu wollen. Da machte mich
Paragon darauf aufmerksam, dass wohl zwei dieser frechen Wesen mir Steine
in den Bart geflochten hatten. Ich hätte niemals gedacht, dass diese Winzlinge
zu solch einer Schandtat bereit wären. Ich dachte immer, sie würden nur
harmlose Scherze treiben, aber dennoch schaffte es die Elfe, diese kleinen,
dümmlichen Wesen in ihrer Intelligenz zu unterbieten. Sie erdreistete
sich doch tatsächlich mir anzubieten, meinen Bart um diese Steine herum
abzuschneiden! Ich sah sie strafend an und wollte ihr schon
beibringen, was einem Zwerg sein Bart wert ist, als ich mich eines Besseren
besann und auf die Aufgabe blickte, welche vor uns lag.
Gegen Abend dann schimmerte im Nordwesten der Nagrach, welcher in den Walsach
fliesst und anhand der offensichtlichen Zivilisation wussten wir, dass wir
unserem Ziel sehr nahe waren. Wir liessen - keine Minute zu spät - mehr
Aufmerksamkeit als vorher walten, denn schon jetzt kam ein Pirat auf uns zu.
Er schien eine Wache zu sein, dazu noch eine sehr verträumte, denn er
hatte uns noch nicht bemerkt und so versteckten wir uns mit dem hinterhältigen
Gedanken, ihm hinter Büschen aufzulauern. Natürlich musste diese verdammte
Elfe mal wieder quertreiben. Sie trat heraus auf den Weg und verlangte mit
gespanntem Bogen, dass der Pirat stehenbleibe. Natürlich blieb dieser
nicht stehen und begann in Richtung Lager zu fliehen. Zum Glück kann diese
Elfe wenigstens mit ihrem Bogen umgehen, denn sie schoss dem Glücklosen
genau durch sein Bein, so dass er nicht weiterlaufen konnte. Schnell holten
wir ihn ein und erklärten unsere Absicht, ihn mit dem Leben davonkommen zu
lassen, wenn er uns verraten würde, wieviele Piraten im Lager seien und wo
diese steckten. Er wollte jedoch nicht reden und so griff ich zum letzten
Mittel, welches mir bei Piraten einfiel: der schamlosen Ausnutzung ihres
Aberglaubens. Natürlich war es sehr hilfreich, dass wir eine Hexe an unserer
Seite hatten und der Pirat nicht den Rest seines Lebens als Frosch fristen
wollte. So verriet er uns einiges über das Lager und wir liessen den
Feigling laufen (und vergassen dabei ihn zu knebeln). Auf dem Weg zum Lager
indessen wurden wir nicht mehr von Piraten gestört und auch das Lager war
recht ruhig vor uns gelegen.
Also liefen wir zum ersten der vier Gebäude und wurden direkt von Pfeilen
getroffen. Die Schreie des Piraten, den wir laufen liessen, mussten sie
also alarmiert haben. Endlich an diesem Gebäude angekommen, versteckte ich
mich hinter der den anderen Häusern abgewandten Ecke direkt unter einem
der Fenster und sah gerade noch einen Pfeil aus demselben fliegen. Mutig entschloss
ich mich, durch das Fenster zu springen und den darin befindlichen Piraten mit
meinem Messer niederzustrecken. Leider bin ich eine solche Waffe nicht gewohnt und
musste zu anderen Mitteln greifen. Dieses Mittel hiess Spott. Und der geneigte Leser möge mir
glauben oder auch nicht, nachdem ich diesen Piraten genug verspottet hatte,
fiel er - wohl vor Angst - in Ohnmacht. Aus dem Augenwinkel sah ich dann
Tysis am Fenster vorbeihuschen und streifte meine Überraschung ob dieses
leichten Kampfes ab und eilte meinen Kameraden zu Hilfe. Alles in allem
muss ich sagen, dass diese Piratenbrut recht einfach zu besiegen war. Piraten
sind im Endeffekt doch nur feige Menschen, welche man durch Ausnutzung
ihres Aberglaubens so stark provozieren kann, dass manche freiwillig aufgeben oder
in Ohnmacht fallen. Nachdem alle Piraten besiegt waren - es waren wie von der überwältigten
Wache gesagt, nur fünf gewesen - machten wir uns auf, unsere Kameraden zu suchen.
Stina war leider schon verschwunden, denn als wir endlich Semo und die anderen
fanden, musste ich feststellen, dass Stina nicht übertrieben hatte und es
Semo viel schlechter ging, als ich es befürchtet hatte. Zusammen mit Stinas
Heilkünsten hätte ich mir eine Chance ausgerechnet, sie zu retten, aber alleine ...
Jetzt kam alles auf einen Versuch an. Ich ging ans Ufer des Nagrach, um nach
Heilkräutern zu suchen. In den vier Hütten der Piraten fand ich genug
provisorische Utensilien, um eine heilende Salbe herzustellen, wenn ich genau
gewusst hätte, wie dies ginge. Natürlich hatte ich bei meinem alten Meister
schon einmal gesehen, wie man starke Heilsalben herstellt, jedoch war dies
nicht Teil meiner Ausbildung. Erst sollte ich Erfahrung in den Weiten
Aventuriens sammeln. Also musste ich jetzt das Risiko auf mich nehmen, meinen
Freund und Kameraden eventuell durch meine eigene Behandlung in Borons
Reich zu schicken und fing an, eine provisorische Salbe herzustellen.
Und siehe da, ein verborgenes Talent wurde mit einem Mal geweckt. Mein Meister
muss der beste gewesen sein, den es in dieser Welt gab, denn obwohl
ich nur selten sehen durfte, wie dieser eine starke Heilsalbe herstellte,
glückte mir die Herstellung hervorragend und Semos Zustand schien sich,
naja, vielleicht nicht zu verbessern, aber sicherlich nicht zu verschlechtern.
Aber die Freude über dieses Ereignis währte nicht lange. Zwar fand ich noch
den Grossteil meiner alten Ausrüstung in den einzelnen Hütten dieser
Barbaren - sie hatten wohl mein ärztliches Besteck dazu verwendet, Nägel
aus Schiffsplanken zu ziehen - wieder, aber als ich wieder zum Ufer
ging, um nach weiteren Kräutern Ausschau zu halten, sah ich zwei Boote den Nagrach
hinaufsegeln und anhand der Flagge war mir klar, dass es sich um Piraten
handelte. Natürlich sind Piraten feige und auch schwache Gegner, aber
wenn man gegen 50 dieser Feiglinge kämpfen muss, sind auch diese stark (wie
räudige Wölfe in einem Rudel). Sofort informierte ich die anderen
und Paragon berichtete mir, dass vom Wald her ebenfalls
Piraten auf das Lager zumarschierten. Wir waren eingekreist. Lediglich
eine Hoffnung blieb uns, wir konnten mit dem Schiff, welches vor Anker
am Fluss lag, auf die andere Uferseite überwechseln, um einem Kampf mit diesen
feigen Kreaturen zu entgehen. Genauso taten wir dann auch und sogar ich hielt
dies für die beste Möglichkeit, um unsere Kameraden zu retten. Nach dem
Übersetzen auf das andere Ufer, wollten wir uns schon in den dort angrenzenden
Wald stehlen, als mein Blick auf das zweite Schiff fiel. Es hatte weder die
Fahne der Piraten gehisst, noch sahen die Leute auf diesem Schiff wie
Piraten aus, eher wie Soldaten. Und ebenso war es. Tjeika von Notmark führte
diese Gruppe von Soldaten an, die Frau, die Stane heiraten sollte und ich
muss sagen, sie sah einem Oger eigentlich gar nicht ähnlich. Für ein
Mittelländerweib sah sie sogar recht hübsch aus. Stane fing natürlich sofort
an zu grinsen. Welcher Bräutigam wäre nicht froh über eine Frau, die
einen ganzen Trupp Soldaten gegen eine Übermacht an Piraten anführt und diese
noch sehr gut im Griff hat und am Ende sogar besiegt. Nachdem wir das
Vorstellungsgeplänkel hinter uns hatten, beschloss Tjeika, dass wir gen Notmark
reiten sollten, da wir so die Feste Grauzahn schneller erreichen würden. Semo
und die Schiffsbesatzung allerdings sollten mit dem Schiff fahren. Also bestieg
ich das erste Mal in meinem Leben ein Pferd. Es war wirklich ungemütlich
hoch. Dennoch stellt ich mich ganz gut an und schaffte es auch, kein einziges
Mal abgeworfen zu werden.
Kapitel 10: Uriel
Als wir in Notmark ankamen, machten wir uns vom Hafen über den Marktplatz
auf zur Feste Grauzahn. Ich hätte nie gedacht, dass es hier noch die
Sitten gibt, welche doch in anderen Regionen Aventuriens lange nicht mehr gebräuchlich sind.
Mitten auf dem Marktplatz war eine arme, zerlumpte Kreatur an den Pranger
gestellt. Wortlos gingen wir weiter zur Feste und fanden diese als eine
düstere, von schrecklichen Geheimnissen umspannte, alte Burg vor. Ein Diener
empfing uns am Eingangstor und führte uns in den Rittersaal. Dieser
war ebenso wie der Rest des Schlosses eher in finsteres Mobiliar gekleidet.
Eine robuste Feuerstelle war da, mit roh behauenen Holzbänken und
das Podest, auf welchem der Thron von Uriel stand, war mit Fellen ausgelegt.
Auf dem Thron sass eben dieser Graf Uriel und nun verstand ich, warum man ihn
Warzensau schimpft. Er hatte diesen Namen mehr als verdient. Alsdann wollte
Primsneder das Wort ergreifen, um Stane vorzustellen, doch alles was er für
seine Höflichkeit bekam, war der undankbare Lohn eines eitlen, alten Sacks.
Er hiess Primsneder seinen Mund halten und rief Tjeika zu sich. Diese berichtete,
dass sie Mjrsko Einhand nicht stellen konnte, da sie sich dazu gezwungen
sah, uns ihre Hilfe zuteil werden zu lassen. Wutentbrand ging Uriel auf
Tjeika los und man möge es mir kaum glauben, aber Stane schien seine
schimmernde Rüstung gefunden zu haben, um den Helden zu spielen. Nicht nur,
dass er Uriel daran hinderte Tjeika zu schlagen, er gab Uriel sogar einen
festen Hieb mit der Breitseite seines Schwertes. Ich erfreute mich dieser
Tatsache, um dann festzustellen, dass diese Warzensau sofort Hilfe herbeirief und
uns alle einkerkern lassen wollte. Also war unsere einzigste Rettung wieder
einmal die Flucht. Am Ausgang der Ritterhalle versperrten uns zwei Wachen
den Weg, jedoch mit recht wenig Erfolg, da Tjeika die eine Wache beiseite
drängte und meine Wenigkeit mit Paragons Hilfe die zweite entwaffnete. Wir
liefen zu unseren Pferden, um schnellstmöglich aus dem Schloss zu entkommen,
was uns schliesslich auch gelang. Aus Notmark entkommen, ritten wir gen Südwest,
bis Tjeika ihre Absicht verkündete, bei ihrer Tante mit Stane unterzukommen.
Als Belohnung für die Überführung von Stane, erhielten wir 50 Batzen und waren
nun auf uns alleine gestellt. Bis auf Nasir waren wir aber alle der Meinung,
dass wir die beiden noch bis zu Tjeikas Tante begleiten sollten, denn
schliesslich war dies wohl der Ort, an den Stane nun sicher verbracht werden
sollte, um heiraten zu können. Und das war schliesslich unser Auftrag, Stane
sicher zum Ort seiner Hochzeit zu geleiten.
Nasir hingegen, fühlte sich ob der Aufteilung unseres Lohnes benachteiligt und
machte sich, mitsamt des fremden Pferdes, auf dem er ritt, aus dem Staub.
Doch das einzige wirkliche Problem, was sich uns stellte, waren die Verfolger hinter uns
und Semo, welcher wohl an diesem Abend in Notmark ankommen würde. Dankbarerweise
half uns Tjeika und verriet uns von Tjeskal Furwänger, einem ehemaligen Waffenmeister
des Schlosses, der bei Uriel in Ungnade gefallen war und dem man vertrauen
konnte. Paragon entschoss sich daher zurückzureiten und Tjeskal einige
Batzen zu bieten, um Semo aufzunehmen, bis er gesundet war. Da diese
Reise schon recht spannend zu sein schien, liess ich sie mir von Paragon
erzählen und hier ist das, was er mir berichtete.
Paragon ritt wie ein Besessener, um vor der Dämmerung zurück in Notmark zu sein.
Dort angekommen, führte er sein Pferd in Richtung Hafen, die Kapuze tief in sein
Gesicht gezogen.
Zweimal wurde er von der Stadtwache angesprochen, wer er sei und was er hier zu tun habe.
Doch mein geschickter Freund besänftigte deren Misstrauen, indem er behauptete, ein
Händler aus Gareth zu sein, der in Notmark ein gutes Geschäft gemacht hat und nun
auf ein Schiff wartet, um wieder in die Mittelländer-Hauptstadt zurückzukehren.
Auf die Frage, mit wem er denn gehandelt hat und warum er noch nicht einmal einen
Karren mit sich führte, erwiderte er, spontan, dass ihm ein gewisser Alrik Westinger
auf dem Marktplatz seine gesamte Ware einschliesslich seines Karrens zu einem
sehr respektablen Preis abgenommen habe. Um seinen geschäftlichen Erfolg zu feiern,
habe er sich in die nächste Taverne begeben, wo er durch Zufall erfahren hat,
dass ein Lastkahn bei Dämmerung Notmark ansteuere, um nach Umladen der Waren
wieder gen Süden zu segeln. Ich dachte bisher, dass nur Spitzohren so gut lügen können!
Als der Lastkahn im Hafen einlief, konnte Paragon schon von weitem Ohms, Stanes
treuen Diener, erkennen. Sobald das Schiff vertäut war, zog er diesen beiseite,
um ihm von seinem Vorhaben zu erzählen.
Die beiden gingen unter Deck und führten Semo - jeder packte eine Schulter des
bewusstlosen Angroscho - von Bord, damit er nicht Geisel der wild gewordenen
Warzensau werden konnte.
Sie brachten ihn, wie besprochen, zum Haus von Tjeskal Furwänger, der ihnen auf ihr
Klopfen die Tür öffnete. Sein Misstrauen den Fremden gegenüber legte sich, als Paragon ihm
das Pergament von Tjeika überreichte. Und schliesslich verflüchtigten sich auch letzte
Bedenken, als ein Beutel mit zehn Batzen auf dem Küchentisch lag.
Um auch wirklich sicherzugehen, dass unserem Kampfesbruder Semo nichts geschieht,
beauftragte Paragon Ohms, bei Semo zu bleiben und diesen zu beaufsichtigen, bis einer
von uns nach Notmark zurückkehrt. Ohms erklärte sich einverstanden, wusste er doch,
dass all´ dies nur zum Wohle seines Herrn geschah.
Danach sprang Paragon wieder auf sein Reittier, um des Nachts, schwitzend, als hätte er
in einem der tiefsten Stollen unserer Binge geschürft, wieder bei unserer Gruppe anzukommen.
Unsere weitere Reise gestaltete sich unterdessen einfacher als wir dachten.
Die Elfe schien gut Pferde imitieren zu können, denn ich
muss sagen, sie wieherte wie ihr eigenes Ross und nach näherer Begutachtung
musste ich feststellen, dass dies wohl dem Gebiss zuzuschreiben war.
Mitte des nächsten Tages, erreichten wir endlich die Burg von Tjeikas Tante.
Sie stand in einer kleinen Stadt namens Anderwein und schien um einen
recht grossen Burgfriedhof gebaut zu sein. Die Stadt selbst hatte alles, was
man sich in dieser Einöde wünschen konnte - eine Schmiede, einen Krämerladen,
einen Kräuterhändler und eine Taverne, namentlich die Taverne zum Roten Raben.
Wir machten uns natürlich zuerst auf zur Burg und wurden recht herzlich
von der Gräfin von Bartwinden empfangen (welch schrecklicher Name, die arme Frau).
Sie machte einen netten und gemütlichen Eindruck, der zudem noch durch ihre
Figur verstärkt wurde, und war sofort daran interessiert zu erfahren, was uns in diese
Einöde verschlagen hatte. Nachdem Tjeika ihr berichtet hatte, was passiert war,
zeigte sie grösstes Verständnis für unsere Situation und bot uns direkt
Unterschlupf und Hilfe an. Sie bedauerte, dass sie nur ein Gästezimmer habe
und dies natürlich Stane und Tjeika zustand, aber wir waren auch mit
dem Gesindehaus zufrieden. Immerhin war dies die erste Nacht seit langem,
in der wir keine Wache aufstellen mussten. Nachdem wir in unsere
Unterkunft geführt worden waren, sagte man uns noch, wir sollen uns waschen
und dann zum Abendessen kommen. Also so viel Gastfreundschaft hätte ich niemals
erwartet und so klopfte ich den Staub aus meinem Kettenhemd und wollte mich
gerade mit den anderen aufmachen zum Abendessen, als mir ein gewisser
Jergol Hangeberg vorgestellt wurde. Dieser Mann sollte mein Kettenhemd
reparieren, was er aber leider nicht konnte, solange ich es am Leib trug.
Also gab ich es ihm und musste praktisch nackt mit einer Gräfin zu Abend
essen.
Kapitel 11: Sven Bartwinden
Als Vorspeise gab es eine schmackhafte Suppe und als Hauptspeise
Kartoffeln, Schweinebraten und Bier. Natürlich gab es auch noch solches
Grünzeug zu essen, aber das liess ich mal getrost der Elfe übrig. Als
Nachspeise gab es dann einen wohlschmeckenden Käse. Nach dem Essen
bekamen wir noch den Auftrag, zum Sohn der Gräfin - Sven Bartwinden -
zu reiten, um ein Pergament zu holen, welches Stane und Tjeika benötigten, um
die Heirat zu vollziehen. Als Lohn dafür sollte jeder sein Reitpferd behalten dürfen.
Aber dies sollte etwas Zeit haben, damit
wir einmal schlafen und auch einige Einkäufe tätigen konnten. Ich selbst eilte
mit Paragon in die Stadt, um mir zwei Bronzeflaschen mit Alkohol zu kaufen, etwas
Verbandszeug, einige Holzschalen, etwas Melkfett und Kalk. Nun hatte ich
erst einmal alles dabei, um Salben herzustellen und die meisten Kräuter
für wenigstens einen Monat haltbar zu machen. Gegend Abend ging ich noch
mit Paragon trinken und musste feststellen, dass nach schweren Märschen
und wenig Schlaf der Alkohol sich schnell im Körper verbreitet. Also
beschlossen wir nach einigen Bieren wieder zur Burg zurückzukehren und
seltsamerweise wachten wir vor der Burg in einem Strauch wieder auf. Aber
das sollte erst einmal egal sein, denn wir hatten nun einen grossen Ritt zum
Gehöft Jonderstein vor, auf welchem sich Sven Bartwinden niedergelassen haben
soll. Gegen Mittag schafften wir es dann auch loszureiten und beschlossen
gegen Abend in einem kleinen, verlassenen Dorf zu übernachten, das wir entdeckten.
Es gab drei Hütten in diesem Dorf und eine offensichtlich abgebrannte Mühle. Die Elfe
schlief wie immer im Freien, Tysis entschloss sich diesmal auch draussen zu
nächtigen (warum auch immer) und der Rest unserer kleinen Truppe schlief
in der grössten Hütte, bis ein lautes Gepolter alle aus ihren Träumen riss.
Tysis war offensichtlich dabei, eine der ehemaligen Dorfbewohner zu exhumieren.
Irgendwie hatte dieser arme kleine Hutzel wohl ein Problem, aber davon wollte
ich mir nicht meine Nachtruhe verderben lassen und ging wieder zurück auf meine
Schlafstelle, nur um wieder in meine Decke eingewickelt dieses verfluchte
Spitzohr singen zu hören. Da es mit der Nachtruhe wohl nichts mehr zu werden
schien, entschloss ich mich aufzustehen und Tysis zu fragen, was er eigentlich
von der Toten wolle. Dieser erzählte mir eine sagenhafte Geschichte von
einer Müllerstochter, welche wohl eine Liaison mit einem Jüngling hatte und
sich mit eben diesem in der Mühle zum Austausch von Zärtlichkeiten traf.
Jung, unerfahren und ungeschickt aber wie diese beiden waren, warfen sie eine
brennende Kerze um und ihre Liaison wurde von einer heftigen Explosion in
der Mühle beendet. Ausserdem erzählte Tysis, er hätte mit jemandem geredet,
der ihm den Weg zum Gehöft Jonderstein beschrieben hatte. Dieser arme kleine
Bornländer! er scheint wirklich daran zu glauben, mit Leuten aus Borons Reich
sprechen zu können. Vielleicht gibt es in Jonderstein einen Peraine
oder Hesinde Tempel, wo wir Rat und Hilfe finden, für den armen kleinen Mann.
Ich werde mich auf jeden Fall darum kümmern müssen, als Heiler unserer kleinen
Gruppe.
Nach einem deftigen Frühstück, machten wir uns weiter gen Norden und sahen
gegen Mittag eine Rauchsäule am Himmel. Als wir weiter ritten, trafen wir
auf einen Trampelpfad, welcher zu dieser Rauchsäule hinführte, aber auf
Drängen von Iyona und Tysis, ritten wir einfach weiter. Nur sehr kurze
Zeit später krächzte uns ein Rabe an und die Elfe krächzte gekonnt zurück. Die
Verwandtschaft mit den Tieren musste bei Elfen enger sein, als ich bisher
gedacht hatte. Nach zwei Kreuzungen und einem längeren Ritt, kamen wir an einem
Sumpf an, welcher voll war mit Schilfgras und inmitten einen Knüppelpfad
hatte, der zu einer Burgruine führte. Am Beginn des Pfades standen
zwei Trauerweiden wie zwei Wächter, welche seit Ewigkeiten Wache zu
halten schienen. Und als Paragon den Knüppelpfad betreten wollte, schienen
eben diese Weiden auch nach Paragon zu schlagen und zu greifen. Natürlich
liessen wir uns davon nicht beeindrucken und stürmten einfach an diesem
Geäst vorbei. Als ob sich ein Zwerg den Weg von irgendeinem dummen
Baum versperren lassen würde - lächerlich. Iyona und Tysis allerdings blieben
zurück, Iyona wohl vor Angst und Tysis, da er beim ersten Versuch an
den Bäumen vorbeizulaufen, gegen einen der beiden gelaufen war.
Kaum waren wir auf dem Knüppelpfad und hatten nicht einmal die Hälfte
des Weges zurückgelegt, tauchte neben uns ein seltsames Wesen auf.
Abgrundtief hässlich war es und mit Klauen bewehrt. Zuerst entschlossen
Paragon und ich uns dazu, dem Vieh eine Lehre zu erteilen.
Doch unsere Hiebe bewirkten rein garnichts, so dass es besser für unser Leben
zu sein schien, schnell zur Ruine zu laufen. Dies gelang uns auch und wir standen vor der
Burgruine und wunderten uns noch kurz, dass, obwohl oft von diesem Vieh getroffen, wir
keine Blessuren davongetragen hatten. Wir hatten es wohl überschätzt.
Die Burg schien den Zweck einer typischen Trutzburg gehabt zu haben. Sie
war recht gross, hatte Schiessscharten und einen grossen Wehrgang.
Wahrscheinlich wurde sie gebaut zur Zeit, als der Theater-Orden das
Bornland erschloss und im Krieg gegen die Goblins diese Trutzburg
baute. Aber dies war nur eine Vermutung. Denn immerhin schien die Burg
noch viel zu gut erhalten zu sein, um aus dieser Epoche zu stammen.
Kapitel 12: Die Ruine
Nun ging es darum, uns Einlass in das alte Gemäuer zu verschaffen. Das Haupttor
war durch ein Fallgitter gesichert, welches anzuheben unsere Kräfte übersteigen
würde. Daher entschlossen wir uns, einmal die Burg zu umrunden, um vielleicht
ein Stück eingestürzte Mauer ausnutzen zu können, um uns Zutritt zu gewähren.
Und nur kurze Zeit später fanden wir ein eingestürztes Stück und schafften
es auch, durch diesen Teil des verfallenen Gemäuers in die Burg zu gelangen. Dort
bot sich unseren Augen ein ähnlich erbärmliches Bild. Die meisten Häuser
waren teilweise verfallen, hier war eine Wand eingestürzt und anderenorts
fehlte eine ganze Decke. Umschauend hielten wir auf eines
der Gebäude zu, in Erwartung welche Reichtümer unserer Ankunft harrten.
Doch als wir das erste Gebäude betraten, mussten wir feststellen, dass wir wohl
nicht die einzigen Lebenden in diesem Gemäuer waren. Vor uns standen drei
Grabräuber, Plünderer der übelsten Sorte. Zuerst waren Paragon und ich
nicht sicher, was wir mit dem Pack machen sollten, aber schnell entschlossen
wir uns dazu, ihnen eine Lehre zu erteilen. Einer der drei schien das Sagen
zu haben und natürlich war er Ziel unserer Attacke, unserer gelungenen Attacke.
Der leblose Körper des Anführers, dessen Namen wir wohl nie erfahren werden,
schlug noch nicht auf dem Boden auf, als seine beiden Untertanen feige aus der
nächsten Türe flohen. Eine Verfolgung schien aber leider nichts zu bringen, da
zwar diese beiden nicht kämpfen konnten, ihren Mangel an Kampfesstärke aber
mit Schnelligkeit beim Laufen wettmachten. Daher entschlossen wir uns dieses
Gebäude genauer zu untersuchen, insbesondere aber den Anführer. Dieser hatte
ein besonderes Schwert bei sich, auf dessen Parierstange der Name Edelschlag eingraviert war.
Es war sehr gut gearbeitet und erstaunlich leicht. Paragon entschloss sich, es an sich zu nehmen
und im nächsten Kampf zu testen. Eine weitere Durchsuchung des Gebäudes brachte
erstaunliche Gegenstände, die ich niemals an solch einem Ort erwartet
hätte, zutage. Ich fand zwei Tränke die ich ob meines Alchemiewissens als
Heiltränke identifizieren konnte. Heiltränke an diesem Ort? Welche arme
Seele hatte diese Tränke hier gelagert? War sie schon in Borons Reich
eingegangen? Ich beschloss mir keine weiteren Gedanken darüber zu machen und
wir führten unsere Untersuchung der Burgruine fort.
Wir untersuchten zuerst die kleineren Gebäude, um uns gegen Ende dem grössten
Gebäude zu widmen. Im diesem trafen wir niemanden, aber dennoch
gab uns eben dieses Gebäude einige Rätsel auf. Wir betraten es durch die
offenbar seit rund drei Monaten nicht mehr benutzte Vorratskammer. Also vor drei
Monaten erst sollte sich hier ein schreckliches Ereignis zugetragen haben,
welches dieses alte Gemäuer in eine Ruine verwandelte? Ich konnte es kaum
glauben, angesichts der Schäden und der Überwucherung. Die verdorbenen
Schinken jedoch sprachen von einer anderen Geschichte und langsam war ich
mir nicht mehr sicher, ob ich diese Burgruine durchsuchen sollte. Dennoch
zog ich mit Paragon weiter und fand im direkt angrenzenden Raum einen
Gargylen stehen, aus Stein gehauen. Aber ansonsten schien nichts besonderes
hier zu sein und daher gingen wir weiter, um in eine Art riesigen Speisesaal
zu gelangen, welcher fast komplett eingefallen war. Ironischerweise war der Tisch
noch gedeckt und die verdorbenen Speisen verströmten einen unheilverkündenden
Geruch. Im letzten Raum, welcher direkt hinter der Speisekammer lag, wurden
Paragon und ich von einigen Ratten angegriffen. Anscheinend verdächtigten uns
die Nager, ihre Nahrung im Speisesaal gefressen zu haben, eines dieser
Viecher verbiss sich sofort in mein Kettenhemd. Aber natürlich sind Ratten
kein Problem für einen Zwergen wie mich. Nur Paragon passierte ein
recht seltsames Missgeschick: Er trat nach einer Ratte, um dieser gekonnt zu
zeigen, wie hart die gegenüberliegende Wand ist, rutschte dabei auf
einer anderen Ratte aus und fiel in ein schwarzes Loch am Boden. Es schien
bei näherer Betrachtung der Schacht eines Brunnens zu sein und Paragon hatte
Glück auf einem Vorsprung liegengeblieben zu sein. Nachdem ich
heruntergeklettert war und Paragon wieder bei Bewusstsein war, entdeckten wir,
dass dies nicht nur ein Vorsprung, sondern auch der Eingang zu einem
unterirdischen Höhlensystem war. Angetrieben von Neugier, machten wir uns
natürlich direkt auf, dieses System zu durchsuchen. Hier möge mir nun der
geneigte Leser verzeihen, da ich zu diesem Zeitpunkt kein Pergament mehr
hatte und daher aus meinem Gedächtnis das berichten muss, was sich zugetragen
hat. Desweiteren konnte ich erst wieder Pergament ersteigern, als ich
mit meinen Kameraden zwei Wochen später vor der Gräfin zu Bartwinden stand.
Die Höhlen, die wir gefunden hatten, waren wohl das Kellergewölbe der Burg und
wir hatten die Eingänge hierzu wohl vorher nicht entdeckt, da sie unter
Schutt begraben lagen. Ich weiss nicht mehr in welchem der Kellerräume es war,
ich denke es war sogar im ersten, den wir betraten, in welchem wir ein
Pergament mit folgender Aufschrift fanden:
Die Ahnentafel zu erlangen
Musst du den Herrn des Bösen fangen
Und dann in deine Hände bringen
Symbol der Macht mit güldenen Schwingen
War das Pergament, welches die Gräfin Bartwinden haben wollte nicht ein
ebensolches? Zu diesem Zeitpunkt schon machte ich mir Gedanken darum, ob wir
nicht das Ziel unserer Reise schon erreicht hatten und sich eine schreckliche
Katastrophe ereignet hatte.
Als wir nun das Gewölbe näher einer Untersuchung unterzogen, fanden wir alle
Türme der Burgruine wieder, einer hatte sogar eine Wendeltreppe nach oben, die
uns vorher nicht aufgefallen war, ein anderer war durch einen Geheimgang
angebunden, welcher aber nicht geheim genug war für einen Zwerg. Das
Nächste, was wir fanden, war ein leichter Lichtschein von einer der Kammern
und Geräusche vom Innern. Als wir die Kammer betraten, fielen unsere Augen auf
eine grosse Folterkammer, in welcher ein Folterknecht geruhsam seiner Arbeit
nachging und ein grosser Hund, der leise knurrend in seinem Käfig stand. Als
der Knecht uns bemerkte, betrachtete er uns misstrauisch und ich versuchte ihn
davon zu überzeugen, dass wir die zwei Neuen wären und ihn ablösen sollten,
damit er in Ruhe essen gehen konnte. Leider ging meine List nicht auf und der
dürre Kerl hetzte seinen Hund auf uns, der recht schnell sauber in der Mitte geteilt an der
Wand hing. Nun mussten wir uns noch um den sadistischen Knecht kümmern, um
uns des einzigen Gefangenen hier anzunehmen - Sven Bartwinden. Kaum kamen
wir zu ihm, verstarb der gequälte Kerl in meinen Armen, sich aber seiner
Freiheit wieder bewusst. Paragon und ich begruben ihn und sprachen
noch ein Gebet. Etwa zu diesem Zeitpunkt trafen wir wieder auf das Spitzohr
und den kleinen Hutzel, welche endlich genug Mut gefunden hatten, uns in die
Ruine zu folgen. Bei einer weiteren Inspektion fanden wir noch kleine
Zellen hinter der Folterkammer, in welcher eine der Wachen Sven Bartwindens
sein Dasein fristete. Halb wahnsinnig vor Angst jedoch, entfloh er uns bei der
ersten Gelegenheit, um wahrscheinlich seinem Leben ein Ende zu bereiten.
Endlich fanden wir dann nach langer Suche und vielen Untoten, die uns nach dem
Leben trachteten, eine Kammer, welche wohl dem Herrn des Bösen aus dem
von uns gefundenen Gedicht gehören mochte. Auf dem Boden war ein aus Kerzen
und Kreide aufgebautes Pentagram und in der hinteren Ecke stand ein Schreibtisch
und ein Wandteppich verhängte wohl den Zugang zum nächsten Raum. Hier griffen
uns gleich mehrere Mumien und Skelette an und Paragon, unser einziger echter
Söldner war schon recht überlastet mit der Aufgabe, sich dem untoten
Gezücht anzunehmen. Wir halfen ihm nach unseren Kräften, aber es waren einfach
zuviele auf einmal. So verliessen wir den Raum, nachdem Tysis das Pentagram
zerstört hatte. Er murmelte noch etwas von einem Beschwörungskreis, aber mehr
verstand ich auch nicht davon. Alsdann machten wir uns wieder auf den Weg zu
der Vorratskammer um dort die Nacht zu verbringen. Natürlich blieben wir nicht
von einer unerfreulichen Überraschung erspart. Der tote Körper des
Wachmanns, welchen wir aus seiner Zelle befreit hatten, kam eine Rampe
heruntergerutscht und landete vor unseren Füssen. Was weiter geschah, weiss ich
nicht mehr genau, da ich sehr müde war. Ich glaube einige von uns versuchten
die Rampe zu erklimmen, um denjenigen zu finden, der den Wachmann tötete und
uns wie ein Geschenk vor die Füsse warf. Am nächsten Morgen jedoch, beschlossen
wir wieder in den Raum mit dem Beschwörungskreis zu gehen und uns dort
noch etwas umzusehen. Als wir jedoch den Schreibtisch durchsuchen wollten, jagten
von oben Gitterstäbe hinab, die uns den Zugang zum Schreibtisch verwehrten.
Als Zwerg und erfahrener Bergbauer jedoch, wusste ich gleich was zu
tun war, ich nahm ein Seil, band es um zwei der Gitterstäbe, steckte meinen
Schlägel dazwischen und begann zu drehen. Die Stäbe verbogen sich und das
Schlitzohr und Tysis konnten an den Schreibtisch gelangen. Dort fanden sie
allerlei Bücher und andere Gegenstände, auch Flaschen mit verschiedensten
Inhalten. Einen davon konnte ich als Astraltrank identifizieren und
Tysis freute sich sehr darüber, von mir einen solchen Trank zu bekommen.
Danach gingen wir in den Raum, welcher hinter dem Wandteppich verborgen lag.
Dort fanden wir das Arbeitszimmer eines wohl recht kranken Geistes vor. Eine
genauere Untersuchung des Raumes ergab bis auf recht seltsame Spiegel nichts
besonderes. Der Zugang zum nächsten Raum war durch eine Grube mit
Speeren gesichert. Also nahmen wir einfach eine massive Holztür von einem
der vorderen Räume, legten diese auf die Speere und gelangten in das
Schlafgemach des "Herrn des Bösen", welcher tot auf seinem Bett lag.
Glücklicherweise hatte er das Symbol der Macht nicht irgendwo versteckt,
es lag direkt bei ihm. Es war ein Stab mit einem goldenen Kopf aus Schwingen.
Den Stab selbst konnte man öffnen und wir fanden darin das gesuchte Pergament
und beschlossen, uns direkt auf den Rückweg zu machen. Zuviel untotes
Gezücht lief in diesen Katakomben herum. Als wir die Kellergewölbe verliessen,
trafen wir oben auf die zwei Grabräuber, die wir damals verschont hatten.
Diesmal wurde ihnen dieses Schicksal nicht zuteil und da Tysis auf die
sehr intelligente Idee kam, mit einer Fackel zu überprüfen, ob das eine
Gebäude aus Holz wirklich der Stall war, welcher natürlich danach lichterloh
brannte, gaben wir den Räubern einen Feuerbestattung. Am nächsten Tag dann,
brachen wir auf, die Ruine für immer hinter uns zu lassen. Als wir an den
kokelnden Resten des Stalles vorbeikamen, sah ich zum erstenmal eine
Riesenassel, jedenfalls das, was von ihr nach einem Feuer übriggeblieben war.
Da ich aber nicht näher herankonnte, betrachtete ich die Assel nur aus der
Ferne neugierig, um mich dann wieder mit meinen Kameraden auf den Rückweg
zu begeben.
Kapitel 13: Eine traurige Botschaft und ein neuer Auftrag
Der Rückweg zu Svens Mutter war so unspektakulär, dass selbst diese Zeile
zuviel der Beschreibung ist. Wieder auf der Burg der Bartwindens angekommen,
überbrachten wir das Pergament und die traurige Botschaft. Natürlich wollte
die Gräfin nun ihre Ruhe haben und uns tat es auch sehr gut, diesen Tag
früh zu Bett zu gehen. Am nächsten Tag dann, erhielten wir den Lohn
für unsere Mühen: 15 Dukaten und ein Objekt aus der Schatzkammer der Gräfin
Bartwinden. Ich hatte das Glück, dass die anderen keine Ahnung von Wertvollem
haben und bekam so die wertvollste Halskette, die ich jemals sah. Danach
verabschiedeten wir uns von der Gräfin und machten uns auf den Weg ins
Ungewisse. Aber schon als wir auf dem Marktplatz ankamen, sahen wir
einen Menschenauflauf und als ich nach dem Rechten sah, wurde mir mitgeteilt,
dass einer der Dorfbewohner tot in einer Taverne aufgefunden wurde. Als dann
die Stadtwache hinzukam, wurde zuerst ich der Tat bezichtigt, wahrscheinlich
weil ich ein Fremder war. Jedoch liess sich die Sache schnell aufklären und
ich erklärte mich dazu bereit, den Toten zu untersuchen. Er hiess Paragorn,
was mir zuerst ein stechendes Gefühl in der Brust verursachte, hiess der
Tote doch fast wie mein bester Freund. Paragorn selbst schien auf recht
seltsame Weise ums Leben gekommen zu sein. Das Gesicht zu einer erschreckten
Fratze verstellt, lag er ohne irgendwelche Blessuren tot auf den Bohlen der
Taverne. Auch war nichts geschwollen an seinem Körper und ich erklärte der
Wache, dass er wohl durch einen Schlag oder Sekundentot gestorben sei und es
unwahrscheinlich sei, dass ein Dritter Hand angelegt habe. Die Wache
jedoch zeigte sich uneinsichtig und wollte von mir bestätigt wissen, dass diese
Person auch nicht durch irgendeine Form von Magie zu Tode gekommen sein kann.
Ich konnte ihm leider nicht mehr erzählen, als ich selbst von Magie weiss
und auch für mich wäre ein solcher Tod nur durch eine mir nicht bekannte
Magie möglich. Also schloss ich dem Toten noch die Lider und merkte mir eine
kleine Tätowierung des Toten an seinem Oberschenkel, ein geschlossenes Auge.
In Gedanken vertieft, ging ich aus der Taverne und sah nur noch Paragon,
auf seinem Pferd sitzend, Tysis und Iyona aber waren weg. Ich erfuhr dann,
dass Tysis wohl zu seiner Akademie geritten ist, um vom Geschehenen zu berichten
und Iyona ihre Verwandten besuchen wollte. Nun ja, so waren wir wieder der
harte Kern unserer Söldnertruppe, Paragon und meine Wenigkeit. Doch der nächste
Auftrag liess nicht lange auf sich warten. Ein Novize des Praiosordens hiess
uns auf einem Trampelpfad halten und bot uns eine grosse Belohnung an, wenn
wir einen Auftrag von ihm annähmen. Auch wenn man den Praiosanhängern nicht
trauen kann, so verführte mich doch das Versprechen auf eine grosse Belohnung,
auf den Vorschlag des Novizen einzugehen. Ich folgte ihm in seinen Tempel am
Rande des Dorfes, welches wir gerade verlassen hatten. Dort trafen wir auf
den Obersten des Tempels, welcher uns für einen Auftrag 200 Dukaten pro Nase bot,
den Auftrag aber selbst nicht nannte, er aber nicht illegal sei. Also nahmen
Paragon und ich an und erfuhren den Auftrag:
Der tote Paragorn aus der Taverne gehörte wohl ehemals der Sekte des
Augenlosen an und die Praiosanhänger erfuhren viel Nützliches von diesen
Aussteigern. Jetzt jedoch ginge ein böser Erzmagier namens Kjalf umher, um
alle Aussteiger zu töten. Deswegen sollten wir uns entweder in die
Sekte einschleichen und Informationen über diese besorgen oder aber in
die Schattengilde eindringen, welche im Bandenkrieg gegen den Kult des
Augenlosen stehen sollte und daher auch viele Informationen über diesen
Kult hat. Die Aussage, dass die Schattengilde im Krieg gegen den Kult des
Augenlosen steht, hat seine Begründung. Es scheint so, als ob
beide Parteien mit Verhandlungen angefangen haben.
Als erstes sollten wir daher nach Festum reisen, was wir dann auch auf dem
Landweg taten. Kaum in Festum angekommen, versuchte ich das Collier im Werte von
etwa 200 Dukaten, welches ich von der Gräfin Bartwinden erhalten hatte,
loszuwerden. Aber mehr als 15 Dukaten von einem schäbigen Goblin bekam ich nicht
geboten. Also liess ich es im Praiostempel untersuchen, später dann im
Hesindetempel. Es schien magisch zu sein, aber nicht sonderlich stark.
Dennoch wollten die Hesindianer es noch etwas weiter untersuchen und so liess
ich es ihnen für einen Monat. Nun war es aber Zeit in den Praiostempel zu
gehen, um alle Einzelheiten über unseren neuen Auftrag zu erfahren.
Kapitel 14: Des Mordes bezichtigt
Kaum am Praiostempel angekommen, mussten wir leider feststellen, dass
wir zu spät kamen und uns bis zur Morgenstunde gedulden mussten, um unseren
wahren Auftrag zu erhalten. Also mieteten Paragon und ich uns in eine Taverne
ein, um die Nacht mal wieder in einem anständigen Bett zu verbringen.
Doch zuvor nutzten wir den Rest des verbleibenden Tages, um unsere Ausrüstung wieder zu
vervollständigen. Auffällig war dabei, dass Paragon des öfteren auf sein Schwert "Edelschlag"
angesprochen wurde. Gleich mehrere Händler wollten ihm einen guten Preis für die Waffe machen.
Doch Paragon lehnte ab.
Ob des grossen Interesses und auf meine Anregung, beschloss er, das Schwert im Hesindetempel
untersuchen zu lassen, welcher solche Dienstbarkeiten anbietet. Es war jedoch befremdend anzusehen,
dass Paragon mit seinem Schwerte nicht in den Tempel durfte und es schien an eben
diesem Edelschlag zu liegen. Man verwies uns an den hiesigen Rondratempel.
Doch auch dort wurde uns der Einlass verwehrt. Wir erfuhren, dass Edelschlag ein
magisches Schwert sei, das wohl von Borbarad selbst geschmiedet worden sei und dass
es angeblich Böses über seinen Träger bringt. Paragon tat diese Bedenken mit einem Handstreich ab.
Doch neugierig ob der Kraft, die hinter diesem Eisen stecken mag, beschlossen wir zur Festumer
Magierakademie zu gehen und dort das Schwert untersuchen zu lassen. Zusammen mit 30 Dukaten
(von denen er sich 10 bei mir lieh), übergab Paragon schweren Herzens Edelschlag an die Magier, die
zwei Wochen veranschlagten, das Schwert auf seine Eigenschaften zu untersuchen.
Am Abend setzten wir uns noch in den Schankraum, um das ein oder andere Bier zu trinken.
Ich muss sagen, diese Goblins brauen das schlechteste Bier, welches ich je
getrunken habe. Wahrscheinlich nehmen sie ihr Brauwasser aus der Kanalisation,
in welcher sie eigentlich die Ratten jagen sollten. Dennoch sagten
Paragon und ich dem Alkohol genügend zu, um lauthals von unseren Abenteuern
zu prahlen - und diese Prahlerei hatte Erfolg. Ein wohl recht unerfahrener
Festumer namens Rainer Hakenzorn gesellte sich zu uns und bezahlte
mir zwei Dukaten, um die komplette Geschichte meiner Reise zu hören. Also
erzählte ich sie ihm und bedanke mich recht nett für die zwei Dukaten und
bestellte von diesen ein Fass Zwergenbier für unseren Tisch. Etwas später
gesellte sich ein noch sehr grüner Magier namens Eiko zu uns und da er sich
bereit erklärte uns ein weiteres Fass Bier zukommen zu lassen, war er direkt
freundlichst aufgenommen und auch er bekam die Erlebnisse von Paragon
und mir zu hören. Als dann die erste Stunde läutete, entschieden wir uns,
unser Nachtlager aufzusuchen, um frisch und ausgeruht in der Morgenstund zum
Praiostempel zu gehen, unseren Auftrag mit Vorfreude erwartend.
Als der erste Hahn krähte, machten wir uns zusammen mit Eiko sofort auf den Weg und kamen
zum Praiostempel gerade als die achte Stunde schlug. Ein recht geckenhafter
Krieger namens Kergan Hertinger betrat mit uns den Tempel und wir mussten erfahren, dass
dieser Frischabgang einer Kriegerakademie doch den selben Auftrag wie wir
erhalten sollte und wir mit einem solchen hochnäsigen Geck zusammenarbeiten
sollten. Dennoch willigten wir ein - wer würde denn auch 200 Dukaten
ausschlagen, wenn sie ihm geboten wurden.
Unser Auftrag war recht einfach und dennoch auf seine eigene Art kompliziert.
Als erstes sollten wir herausfinden, welche niederträchtigen Vorhaben die
Schattengilde und die Gilde der Augenlosen haben. Rainer Hakenzorn, der in Festum unter
dem Namen "der Vermittler" bekannt ist, sollte uns hierbei als Ortsansässiger unterstützen. Also
machten wir uns am nächsten Tage auf ins Hafenviertel, da wohl gerade dort das widerlichste
Pack ganz Festums seinen unlauteren Geschäften nachgeht. Dort
fanden wir tatsächlich nach langer Suche den Phextempel, natürlich der
inoffiziellen Art. Wir betraten diesen und ich selbst gab mich
als Waffenhändler aus den roten Sicheln aus und bot dem Diebespack
Rüstungen und Waffen aus Zwergenstahl an. Zum Beweis der besten Qualität, gab
ich dem Pack auch einen Ring meines Kettenhemdes und natürlich fanden sie, dass
er vom allerfeinsten Material sei und wollten auch einen angemessenen
Preis für eine Ladung Waffen und Rüstungen aus den Roten Sicheln zahlen.
Auch äußerte man uns Interesse an Edelschlag, dessen Kenntnis wir allerdings leugneten.
Alsdann verabschiedeten wir uns, mit der Begründung über das Angebot noch
nachdenken zu müssen und wurden nicht unweit des Phextempels auch direkt
von einer anderen Partei - wie sich später herausstellte der Gilde der
Augenlosen - darauf angesprochen, dass wir doch Waffenhändler aus den
Roten Sicheln wären und sie auch Interesse an unseren Waren hätten, jedoch
besser zahlen würden als die Diebesgilde. Also willigten wir ein, mit dem
in Roben gehüllten Pack zu gehen und unsere Qualität unter Beweis zu stellen,
doch welch Niedertracht sollte uns widerfahren. Gerade als wir in einer
Art Sitzungssaal der Unwürdigen ankamen und ich ihnen ebenfalls einen Ring
meines Kettenhemdes gab, boten sie uns ein Glas Wasser an, welches ich ob
meines grossen Durstes auch gerne annahm und trank. Doch
sie hatten das klare Nass mit mehreren Tropfen aus einem Extrakt einer
Rauschpflanze gemischt und so fiel ich schon nach wenigen Minuten in einen
tiefen Schlaf. Als ich wieder aufwachte, bemerkte ich die Wachsamkeit meiner
Kameraden - ich konnte nicht lange weggetreten sein - und versuchte auch
mich wieder hinzustellen. Just in diesem Moment kam einer der Wasservergifter
und bestätigte die hervorragende Qualität meines Kettenringes - als
würde ein Zwerg bezüglich seines Kettenhemdes lügen - und sie erdreisteten
sich uns 20% mehr zu bieten als die Schattengilde. Wir machten uns mit der
Begründung auch über dieses Angebot nachdenken zu müssen und der schlechten
Qualität des Wassers in diesem Gebäude aus dem Staub, um uns in unserer
Taverne in Sicherheit zu bringen. Beide Gilden waren also an Waffen und
Rüstungen interessiert und beide boten uns eine sichere Passage in die roten
Sicheln an - die Schattengilde sogar bis nach Gareth, wenn dies sein musste.
Das sollte natürlich genug Information sein und wir beschlossen am nächsten
Morgen zum Praios-Tempel zu gehen, um dort von unseren Erlebnissen zu berichten.
Alsdann machten wir uns auf den Weg in die Taverne, in welcher schon
Kergan und Eiko auf uns warteten. Kaum waren wir angekommen, trat
eine recht zwielichtige Person auf Paragon zu und bot ihm 800 Dukaten
für sein Schwert, welches sich aber vorerst nicht in unsererem Besitz
fand und Paragon lehnte ab. Die Vorfreude auf ein sehr mächtiges Schwert
überkam meinen Freund und Söldner. Welche Macht mag dieses Schwert innehaben?
Wenn er 800 Dukaten geboten bekommt? Missmutig verliess die Person die
Taverne und wurde vor der Tür von fünf Personen in grauen Roben gestellt.
Kurz darauf erklang ein kurzer Ruf und Blitze trafen diese fünf Personen
und äscherten sie regelrecht ein, worauf die Person, welche uns vorher
800 Dukaten bot, ruhig davonging als wäre nichts gewesen.
Am nächsten Tage dann verliessen wir die Taverne in Richtung Praiostempel,
um von unseren Erlebnissen zu berichten und bekamen den Auftrag, weiter in
der Gilde der Augenlosen zu spionieren. Ein Adept, dessen Namen uns nicht genannt
wurde, sollte uns verfolgen und notfalls Hilfe rufen, doch er verschwand
prompt, als wir wieder den Phextempel betraten. Er durfte als Praiosanhänger,
obwohl er als solcher nicht zu erkennen war, diese Stätte der Diebe nicht betreten und
als wir den Tempel verliessen, war von ihm keine Spur mehr zu sehen. Jedoch
war das Gespräch im Tempel um so interessanter. Man bot uns wiederum 20%
mehr als die Gilde der Augenlosen. Beide Parteien schienen sich also auf einen
Krieg vorzubereiten. Leider konnten wir die Gilde der Augenlosen nicht
direkt kontaktieren, es wurde uns allerdings zugesagt, dass einige
Anhänger der Augenlosen zur neunten Stunde abends Uhr in unserer Taverne erscheinen werden,
um mit uns in Verhandlung zu treten und so verbrachten wir einen recht
angenehmen Tag in Festum, um uns abends wieder in der Taverne einzufinden.
Die Augenlosen waren noch nicht erschienen, daher setzten wir uns an einen
grossen Tisch, so dass die Augenlosen auch noch Platz hätten, würden sie
die Taverne betreten. Doch dieses arrogante Pack setzte sich an einen eigenen
Tisch und hiess uns zu ihnen setzen. Natürlich gingen wir auf solch arrogantes
Pack nicht weiter ein und hiessen sie sich doch zu uns setzen und so
entschied das Pack sich wieder aus dem Staub zu machen und uns recht verdutzt
in der Taverne sitzen zu lassen. Wir beschlossen daraufhin zum Praiostempel
zu gehen, um dort mit Geweihten wieder unsere Informationen auszutauschen,
doch der Adept, welcher uns am Morgen folgte, wollte uns keinen Einlass
gewähren und legte ein gar seltsamen Gebärden an den Tag, hiess uns aber
vor dem Tempel noch etwas warten und so taten wir. Einige Minuten später kam
ein Trupp der Festumer Nachtwache zu uns und - man stelle sich diese Frechheit
vor - erdreistete sich uns festzunehmen, worüber Kergan gar nicht erfreut war.
Dennoch taten wir, wie uns geheissen und folgten der Wache zu ihrem Quartier, um
dort eingekerkert zu werden, zum einen wegen Herumlungerns vor einem Tempel
der Zwölfe und zum anderen wegen Mord am Praiosgeweihten. Ich begriff nicht
sofort, was uns hier überhaupt vorgeworfen wurde und was passiert war und hielt
im ersten Moment alles für einen schlechten Scherz. Der Krieger war sehr
erzürnt, von einem Wachman des Mordes bezichtigt zu werden und wollte den
Kommandaten zur Rede stellen, der jedoch das Wort eines Kriegers in Zweifel
stellte und damit Kergan noch rasender machte. Im Endeffekt war es Eiko,
welcher uns aus der prekären Situation - mittlerweile war der Lynchmob
eingetroffen - befreite, indem er ob seiner magischen Fähigkeiten eine
grosse Verwirrung bei den Wachen stiftete und wir so mit der weiteren Hilfe
Hakenzorns entkommen konnten. Draussen um eine Ecke, wartete schon eine
Freundin Hakenzorns, eine Rondrageweihte, was unseren Krieger und Paragon
sehr erfreute. Sie bot uns Hilfe an, welche wir dankend annahmen. Und so
wurden wir in ein kleines Haus gegenüber des Rondratempels gebracht, um dort
die Nacht zu verbringen.