Jahnstadion – Stadion an der Prüfeninger Straße:

Fassungsvermögen:
11.800 Zuschauer
Sitzplätze: 1.800
Davon
überdacht: 1.800
Stehplätze: 10.000
Davon
überdacht: 0
Stadioneröffnung:
1926
Flutlichtanlage: ja
Anzeigentafel: eine, manuell einstellbar
Anschrift: Prüfeninger Str. 57a, 93049 Regensburg

Beschreibung:
Im Rahmen des Regionalliga-Spiels gegen Kickers Offenbach
beging der SSV Jahn Regensburg im September 2001 den 75. Geburtstag des
Jahnstadions. Der „altehrwürdige Sportpark“, wie das Stadion an der
Prüfeningerstraße gerne von Sportjournalisten genannt wird, hat wie der Verein,
den er beheimatet, eine bewegte Geschichte hinter sich.
Die
heutige Spielstätte der Rot-Weißen war aber keineswegs die erste. Nach der
Gründung der Fußball-Abteilung im Oktober 1907 trugen die Kicker vom Turnerbund
Jahn ihre Spiele zunächst im Stadtpark aus, ehe man den Sportplatz an der
Dechbettener Straße mietete. Nach der Kündigung dieser Stätte folgten zwei
Wanderjahre, in der das Jahn-Team zuerst am Oberen Wöhrd und dann am
TV-Sportplatz an der Oberrealschule spielte. Im Jahre 1926 fand man endlich
eine langfristige neue Heimat, pachtete ein paar „Wiesen“ am Rande der Stadt.
Das Gelände an der Prüfeningerstraße wurde zu einem Hauptspielfeld und mehreren
Trainingsplätzen kultiviert. Von einem Stadion konnte also noch nicht die Rede
sein, es handelte sich eigentlich mehr um einen Sportplatz mit ein paar
befestigten Stehplatzrängen. Trotzdem feierte der Jahn bereits in den ersten
Jahren nach der feierlichen Einweihung am 19. September 1926 Erfolge. So
stiegen die „Rothosen“ – mittlerweile im Sportbund Jahn organisiert – in diesem
Zeitraum in die höchste Spielklasse auf und auch Hans Jakob, der legendäre
Torwart, bestritt sein erstes Länderspiel, bevor aus dem Jahnplatz das
Jahnstadion geworden war!
Dies
geschah ziemlich genau fünf Jahre nach der Einweihung des Platzes, als 1931 die
Jahn-Tribüne ihrer Bestimmung übergeben wurde. Unter der Leitung von Dipl.-Ing.
Richard Heider brachte der „Tribünenbau-Verein“ das Kunststück fertig, in
weniger als zehn Monaten eine der seinerzeit modernsten Stadiontribünen zu
errichten – und das, obwohl den SB Jahn schon damals eine Menge Schulden plagte!
Der Tribünenbau war nur zu realisieren gewesen, weil viele Geschäftsleute aus
der Oberpfalz dem Verein finanziell oder durch Sachspenden unter die Arme
griffen. Nachdem auch das Stadtbauamt grünes Licht gegeben hatte, konnten am
15. April endlich die Arbeiten beginnen. Vier Monate später stand die in
rot-weißen Farben gehaltene Tribüne, die weit mehr als nur überdachte
Sitzplätze, sondern als eine der ersten in Deutschland gleichzeitig einen
Funktionstrakt bot. Im Grunde ist die Raumaufteilung und -bestimmung der
Jahntribüne noch heute so wie vor 70 Jahren. Lediglich die künstlerische
Ausgestaltung der Gaststättenräume durch den bekannten Regensburger Maler Otto
Zacharias ist leider nicht mehr zu finden. Da traf „man an den Wänden die
gesamte Prominenz der Ausschüsse des Sportbunds Jahn und selbstverständlich des
aktiven Sports: Fußball und Leichtathletik,“ berichtete der Regensburger
Anzeiger anläßlich der Einweihungsfeierlichkeiten am 5. und 6. September 1931.
Kaum
drei Jahre später erklang im Jahnstadion erstmals das von gegnerischen Teams so
gefürchtete „ES-ES-VAU“ (SSV) des stimmgewaltigen Regensburger Anhangs. Der
Sportbund Jahn war mit dem Schwimmverein von 1889 zum SSV Jahn Regensburg
fusioniert. Bereits in dieser Zeit begann das Publikum seine Lieblingsplätze im
Stadion zu küren. Während die feine Gesellschaft – ab und zu schaute selbst die
fürstliche Familie herein – auf der Tribüne Platz nahm, fand das „gemeine“ Volk
auf der Gegengerade ihre Heimat. Dort erstand wenige Jahre später der berühmte
„Turm“, an dem eine manuelle Spielanzeige und Mitte der 50er Jahre auch eine
Uhr installiert wurden. Auch als Elektrik 1990 die „Taferlbuben“ ersetzt hatte,
büßte der „Turm“ nichts von seinem Charme ein. Die treuesten der Treuen standen
auch in den schwersten Zeiten unter ihm und auch heute noch beweist ein Fanclub
mit dem Namen „Die Power vom Tower“ seine Verbundenheit mit der Gegengerade des
Jahnstadions.
Die
zweifellos erfolgreichsten Jahre sah das Stadion, das 1949 vom SSV Jahn
erworben wurde, zur Blütezeit des Regensburger Fußballs in den 50er Jahren.
Während der Oberliga-Saison 1949/50 drängten im Schnitt 17 000 Zuschauer an die
Kassen. Zu manchem Spiel reichte die Platzkapazität nicht aus. Standen Gegner
wie der 1.FC Nürnberg, 1860 und Bayern München, Eintracht Frankfurt oder auch
die Offenbacher Kickers vor der Tür, konnten auf den Nebenplätzen
Zusatztribünen errichtet werden. Auf diese Weise soll 1950 auch der
Besucherrekord von über 30 000 Zuschauern gegen die SpVgg Fürth erreicht worden
sein. Seit dieser Zeit wurde das Publikum im Jahnstadion von Stadion-sprecher
Ernst Radtke informiert, der fast 45 Jahre diese Tätigkeit ausübte, ehe er
Anfang der 90er Jahre von Werner Demmel abgelöst wurde.
Mit dem
langsamen aber stetigen sportlichen wie wirtschaftlichen Niedergang des SSV
Jahn, waren auch die Tage des vereinseigenen Stadions gezählt. So meldete die
Stadionzeitung „Jahn-Echo“ bereits im April 1974, das Jahnstadion werde – nach
den Nebenplätzen Ende der 60er Jahre – für sechs Millionen Mark an die Baufinanz
KG Diederichs&Co. verkauft. Das Stadion hätte Wohnblöcken weichen sollen,
während der SSV Jahn mit einem Teil des Verkaufserlöses beim Ausbau des
RT-Stadions eingestiegen wäre. Zwar konnte dieser Plan letztlich nicht
verwirklicht werden, ein Jahr später mußte der SSV seine Heimstätte aber doch
feilbieten. Die Stadt Regensburg griff zu, erwarb das Gelände für zwei
Millionen Mark und der Jahn rückte wieder in ein Pachtverhältnis zurück. Zehn
Jahre nach dem Verkauf war das nun städtische Jahnstadion in einem desaströsen
Zustand. Die Mittelbayerische Zeitung berichtete im Mai 1984 von „Riesenlöchern
in den Außenzäunen, windschiefen Randsteinen der Tribünenstufen und Toiletten,
die nicht einmal über einen Wasseranschluß verfügen.“ Schon damals wurde offen
über einen Neubau nachgedacht, schließlich rang man sich aber 1987 dazu durch,
das Stadion nur zu sanieren – nicht zuletzt wegen fehlender finanzieller
Mittel. Die zwei Millionen Mark teure Renovierung wurde 1990 mit der Erneuerung
der Flutlichtanlage abgeschlossen. Durch die Erhöhung der Stufen auf 20
Zentimeter verkleinerte sich das Fassungsvermögen der Stehplatzränge auf knapp
11 000. Kein Problem, denn ausverkauft war das Jahnstadion in einem
Pflichtspiel seitdem nur noch einmal: in der Bayernliga-Saison ´90/91 kamen
gegen den TSV 1860 München genau 12 381 Löwen- und Jahn-Fans.
Als
sich der SSV fünf Jahre später in die Landesliga verabschiedete, wollten gerade
noch 157 Zuschauer das Spiel gegen den Namensvetter aus Forchheim sehen. Dies
war der absolute Tiefpunkt der letzten 75 Jahre, in denen das Stadion in rund
2000 Partien Gastgeber für 6,5 bis 7 Millionen Zuschauer gewesen sein dürfte!
Auch für Gäste aus aller Herren Länder, denn sechs Partien des olympischen
Fußballturniers von 1972 fanden an der Prüfeningerstraße statt. Die Ehre ein
„Olympiastadion“ zu sein konnte in den vergangenen zehn Jahren allerdings nicht
verhindern, daß das Jahnstadion immer wieder zum Ziel von Immobilienspekulanten
wurde. So hätte das Stadion 1991 nach dem Willen eines Geschäftsmanns einem
Park&Ride-Parkplatz weichen sollen, zwei Jahre später wurde der Plan
bekannt, das Jahnstadion zu verkaufen und dafür den Sportpark am Kaulbachweg
oder die Bezirkssportanlage West auszubauen. Letztlich sicherte wohl der
Jahn-Aufschwung seit 1999 die Existenz des Stadions – vorläufig. Denn trotz
weitergehender Sanierung nach dem Regionalliga-Aufstieg 2000 wird seit einiger
Zeit wieder verstärkt ein Neubau gefordert. Zu Beginn des Jahres 2002 bildete
sich deshalb um Alexander Ruscheinsky die Arbeitsgruppe „Neues Stadion“, die
zwischen Verein, Stadt und Wirtschaft vermitteln soll.
Durch die Zweitliga-Rückkehr des SSV Jahn 2000 ist aber klar, dass auch im alten Rund nach 26 Jahren wieder einmal Profifußball zu sehen sein wird. Dazu wurde die Flutlichtanlage runderneuert, im Bereich der „Vortribüne“ weitere Sitzplätze geschaffen. Wolfgang Otto